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Elite 4/2018

Getreide konservieren mit Natronlauge oder Futterharnstoff? Digital Plus

Klassisch ist die Konservierung von Futtergetreide durch Trocknen oder Säurezusatz. Daneben gibt es Verfahren, die aufwendiger sind, jedoch auch Zusatzeffekte mit sich bringen.

Die Konservierung von Futtergetreide für Milchkühe erfolgt in den meisten Fällen über das klassische Trocknen oder die kostengünstige Behandlung mit organischen Säuren (Propion-, Ameisen-, NC-Säureprodukte). Einige Milchkuhhalter haben jedoch auch Geschmack an aufwendigeren Verfahren gefunden, die nicht als klassische Konservierung bezeichnet werden (dürfen), dass Getreide dennoch aber im Nebeneffekt haltbar machen. Das sind die Behandlung ganzer Getreidekörner mit Ätznatron (Natronlauge), das sogenannte Sodagrain-Verfahren; sowie die Behandlung von aufgeschlossenem Getreide (Schrot oder in Quetsche geschrotet) mit Futterharnstoff sowie einem Enzymzusatz, das sogenannte Maxammon-Verfahren. Sodagrain – Getreide mit mehr pansenstabiler Stärke Bei dem Sodagrain-Verfahren wird das ganze Getreidekorn mit Natronlauge behandelt. Der Mehlkörper bleibt damit als ganzer erhalten, dass Getreide wird allerdings durch den chemischen Umsetzungsprozess verändert: Das Gemisch aus (feuchtem) Getreide, Wasser und dem Ätznatron-Granulat erwärmt sich beim Durchmischen auf bis zu 70 °C. Als Produkt übrig bleibt, grob gesagt, ein gummiartiger, schalenloser Mehlkörper ("wie weiße Maden"), dessen Stärke zu einem größeren Teil pansenstabil geworden ist, und Natriumbikarbonat. Bei Soda-Getreide aus Weizen sind nur noch etwa 55 % der Stärke im Pansen fermentierbar, bei klassischem Weizenschrot dagegen 89 % – entsprechend fallen also die Anteile an darmverfügbarer Stärke bei Sodagrain deutlich höher aus (ca. 41 % der Geamtstärke). In Dänemark, wo verhältnismäßig wenig Körnermais verfügbar ist, w

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Die Konservierung von Futtergetreide für Milchkühe erfolgt in den meisten Fällen über das klassische Trocknen oder die kostengünstige Behandlung mit organischen Säuren (Propion-, Ameisen-, NC-Säureprodukte). Einige Milchkuhhalter haben jedoch auch Geschmack an aufwendigeren Verfahren gefunden, die nicht als klassische Konservierung bezeichnet werden (dürfen), dass Getreide dennoch aber im Nebeneffekt haltbar machen. Das sind die Behandlung ganzer Getreidekörner mit Ätznatron (Natronlauge), das sogenannte Sodagrain-Verfahren; sowie die Behandlung von aufgeschlossenem Getreide (Schrot oder in Quetsche geschrotet) mit Futterharnstoff sowie einem Enzymzusatz, das sogenannte Maxammon-Verfahren. Sodagrain – Getreide mit mehr pansenstabiler Stärke Bei dem Sodagrain-Verfahren wird das ganze Getreidekorn mit Natronlauge behandelt. Der Mehlkörper bleibt damit als ganzer erhalten, dass Getreide wird allerdings durch den chemischen Umsetzungsprozess verändert: Das Gemisch aus (feuchtem) Getreide, Wasser und dem Ätznatron-Granulat erwärmt sich beim Durchmischen auf bis zu 70 °C. Als Produkt übrig bleibt, grob gesagt, ein gummiartiger, schalenloser Mehlkörper ("wie weiße Maden"), dessen Stärke zu einem größeren Teil pansenstabil geworden ist, und Natriumbikarbonat. Bei Soda-Getreide aus Weizen sind nur noch etwa 55 % der Stärke im Pansen fermentierbar, bei klassischem Weizenschrot dagegen 89 % – entsprechend fallen also die Anteile an darmverfügbarer Stärke bei Sodagrain deutlich höher aus (ca. 41 % der Geamtstärke). In Dänemark, wo verhältnismäßig wenig Körnermais verfügbar ist, wird das Sodagrain-Verfahren daher häufig angwendet, um pansenstabile Stärke in die zumeist noch grassilagebetonten Rationen zu bekommen. Oft wird es hier auch in Kombination mit dem Verfahren der Kompakt-TMR eingesetzt. Denn es ist wichtig zu vermeiden, dass sich die Kühe die Getreidekörner ("kleine Maden") aus der TMR selektieren können. Dadurch, dass der pH-Wert durch das Verfahren angehoben wird (ca. pH 11), wird das feuchte Getreideprodukt (TM-Gehalt 70 bis 75 %) gleichzeitig auch konserviert. Die zu verwendenden Mengen an Ätznatronperlen variieren je nach Getreideart leicht; für Getreide mit viel Spelz (Gerste, Hafer) muss mehr verwendet werden (3,5 % und 4,0 % je t Getreide), als etwa bei Weizen oder Roggen (2,5 % je t Getreide). Sodagrain wird in dafür geeigneten Futtermischwagen (Flüssigkeit kann nicht rauslaufen) hergestellt. Zunächst werden dabei das Getreide und das Ätznatron-Granulat trocken vermischt, dann wird unter weitermischen gleichmäßig über die gesamte Menge das Wasser hinzugefügt. Die Mischzeit beträgt ca. 30 Minuten. Die fertige Mischung wird flach (30 cm hoch) ausgebracht und muss dann acht bis zehn Tage auskühlen und abstehen (ohne Folienabdeckung), bis sie verfüttert werden kann. Durch die ätzende Eigenschaft der Natronlauge und die beim Prozess entstehenden hohen Temperaturen, wird das Verfahren seitens des Arbeitsschutzes als bewertet. Verfüttert werden können Mengen von ca. 4 bis 6 kg Sodagrain pro Kuh und Tag – eine Analyse des Sodagrains sowie eine sorgfältige Rationsberechunng ist aber vorausgesetzt! Durch den hohen Gehalt an Natriumbicarbonat wirkt es Pansenazidosen entgegen, eignent sich jedoch nicht zur Fütterung an Trockensteher oder Transitkühe. Da die gebrauchsfertige Sodagrainmischung etwa 22 g Natrium je kg TM enthält, ist eine ausreichende Wasserversorgung der Kühe vorausgesetzt. Einen ausführlichen Bericht mit Hinweisen zur Herstellung und Lagerung sowie zur Fütterung von Sodagrain finden Sie unter folgendem Download: Getreide mit einem gesteigertem Rohproteingehalt Ein weiteres Verfahren, dass futtermittelrechtlich nicht als Konservierungsverfahren benannt werden darf, ist die Behandlung von feuchtem Getreide (mind. 18 % Feuchte) mit Futterharnstoff und einem Enzymprodukt und ggf. Wasser = Maxammon-Verfahren. Durch die Feuchtigkeit und den Enzymzusatz wird der Futterharnstoff relativ schnell (zwei Wochen; Getreideschrot-Stapel mit Folie verschlossen) aufgespalten und zu Ammoniak umgesetzt. Als Nebeneffekt steigt der pH-Wert dieser Mischung auf pH 9 (pansenpuffernder Effekt) und auch der Rohproteingehalt im Schrot (Futterweizen im Mittel 112 g Rohprotein/kg TM; Maxammon-Weizen z.B. 157 g Rohprotein/kg TM). Der Rohproteingehalt wird durch das Verfahren um vier bis sechs Prozentpunkte angehoben. Durch den höheren Gehalt an XP und den hohen pH-Wert kann das Futtergetreide Eiweißfuttermittel teilweise ersetzen und in etwas höheren Mengen als üblich gefüttert werden. Interessant ist das verfahren für Futterbaubetriebe mit Getreide in der Fruchtfolge – so kann der Selbstversorgungsgrad gesteigert werden. Das Verfahren kann auch in der Kombination Getreide mit Körnermais angewandt werden. Das Getreide wird für das Verfahren in Mahl- und Mischanlagen geschrotet und dann gleichmäßig der Futterharnstoff und das Enzymgranulat und ggf. Wasser hinzudosiert; eine Anwendung am ganzen Korn ist nicht möglich. Durch den hohen pH-Wert wird das Getreide gleichtzeitig konserviert. Da Futterharnstoff ein Futtermittel-Zusatzstoff ist und das Enzymprodukt ein Ergänzungsfuttermittel, ist das Verfahren nicht durch den Landwirt selbst durchführbar. Nur zertifizierte Unternehmen dürfen das Verfahren anbieten. Mehr zu dem Maxammon-Verfahren erfahren Sie in der Elite 5/2018.