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Hornloszucht

Fleckvieh überlegen!

Ganz auf das Enthornen zu verzichten ist unter derzeitigen Haltungsbedingungen kaum möglich. Alternativen bietet die Hornloszucht. Hier hat das Fleckvieh die Nase vorn!

Die Umzüchtung unserer heutigen Milchkühe wird wohl noch rund 20 Jahre dauern, da sind sich Zuchtexperten einig. Das Gen für die Hornlosigkeit, abgekürzt P (vom englischen „polled“, also hornlos), wird zwar dominant vererbt, ist aber in den Populationen der heutigen Milchrassen nur wenig verbreitet. Außerdem darf die Etablierung des Gens weder zu mehr Inzucht führen, noch soll der Zuchtfortschritt wichtiger Merkmale verloren gehen.

Landwirte müssen Kompromisse eingehen

Auch wenn das Angebot an genetisch hornlosen Bullen langsam wächst und sich die Tiere in ihren Zuchtwerten verbessern, stehen sie im Schnitt den gehörten Bullen noch nach. Es gibt zwar einzelne Bullen, die in den Zuchtwerten mithalten können, aber häufig müssen die Landwirte noch Kompromisse eingehen. So sind einige Bullen nur im Einsatz, weil sie genetisch hornlos sind. Entsprechend verhalten ist deshalb auch die Nachfrage seitens der Landwirte. Bei nur etwa 2% liegen die Besamungen mit hornlosen Bullen bei den Schwarzbunten Holsteins, bei den Rotbunten sind es immerhin 10%, wie Dr. Jörg Potthast von der Rinder-Union-West (RUW) angibt. Sobald aber die Qualität der hornlosen Bullen steigt, würden sicherlich auch die Besamungen zunehmen, ist sich Bernhard Weber von Masterrind sicher.

Genomische Selektion als große Hilfe

Die Besamungsstationen halten die Augen nach guten genetisch hornlosen Bullen stets offen. Die Genetik würde derzeit auf Auktionen gut bezahlt, so Weber. Die zunehmende genomische Selektion erleichtert dabei das Auffinden interessanter Bullen. Dadurch können gute Bullen früher erkannt und mehr potentielle Kandidaten überprüft werden, erklärt Hartwig Meinikmann von der RUW. Dieselbe Anzahl Bullen über Töchterleistungen zu prüfen wäre extrem teuer und nur schwer möglich, so Meinikmann weiter. Anders als beispielsweise Leistungsmerkmale wird der Hornstatus nicht automatisch bei den Zuchtorganisationen erfasst, sondern muss aktiv von den Landwirten dokumentiert werden.

Rein- oder mischerbig?

Da das Hornlosgen dominant vererbt wird, kommt es für den Hornstatus des Kalbes darauf an, ob Kuh und Bulle rein- oder mischerbig sind. Ist ein Elternteil reinerbig hornlos, sind es die Nachkommen auf jeden Fall auch. Wird aber ein mischerbig hornloser Bulle eingesetzt (das sind derzeit noch die meisten Bullen!) können sowohl gehörnte als auch hornlose Kälber geboren werden. Damit das Hornlosgen weiter in den Populationen etabliert werden kann, wäre es wichtig, nicht nur den Hornstatus der Bullen, sondern auch den der weiblichen Zuchttiere zu kennen.

Fleckviehzucht klar überlegen

Die Fleckviehzucht ist in puncto Hornlosigkeit den Holsteins etwas voraus. Knapp 90 genetisch hornlose Bullen stehen aktuell in den bayerischen Besamungsstationen zur Verfügung, berichtet Bernhard Luntz von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Doch auch wenn die Nachfrage nach genetisch hornlosen Bullen in letzter Zeit stark gestiegen ist, liegt der Anteil der Besamungen erst bei rund 10%. Mischerbige Bullen weisen mittlerweile gute Gesamtzuchtwerte auf, jedoch müssen Landwirte beispielsweise beim Exterieur immer noch Abstriche machen. Luntz hält es vor allem für wichtig, dass auf Schauen vermehrt hornlose Tiere präsentiert werden, damit die Landwirte sehen, dass es sich dabei um schöne und brauchbare Kühe handelt. Doch auch Luntz ist davon überzeugt, dass das Enthornen noch über viele Jahre hinweg notwendig sein wird. In zehn Jahren könnten etwa 10 bis 15 % der Kuhpopulation genetisch hornlos sein, so seine Einschätzung.
 

 


Quelle: DLG-Mitteilungen