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Steckbrief Milchproduktion in Neuseeland

Die Produktionsbedingungen in Neuseeland basieren auf der ganzjährigen Weidehaltung, mit mal mehr oder weniger hohen Zulagen an Kraftfutter. Mehr zu den Besonderheiten des Low-Cost-Produktionssystems.

Für Neuseeland typisch ist eine ganzjährige Weidehaltung. Dabei wird, je nach Intensität zwischen fünf Weide- und Fütterungssysteme unterschieden.

System 1 (geringste Intensität) bedeutet, dass die Kühe ausschließlich Gras aufnehmen. Es wird kein zusätzliches Leistungsfutter zugekauft. Nur während der Laktation erhalten die Milchkühe ein bis zwei Kilogramm Kraftfutter pro Tag. Die Kühe grasen das ganze Jahr über auf Weiden, Winterfutter wie Heu-  und Grassilage werden selbst bereitet.

System 5 ist das Fütterungssystem mit dem höchsten Futter-Input. Kühe weiden ebenfalls auf Grasland, können aber auch auf Rüben- oder Brassicae-Flächen grasen. Dazu wird hochwertiges, energiereiches Grund - und Kraftfutter wie Maissilage oder Palmkernextraktionsschrot vorgelegt (zwischen 30 bis 55 % der TM).

Das von der Milchtränke abgesetzte Jungvieh und die Färsen werden meist nicht selbst aufgezogen, sondern in „die Hände“ eines Lohn-Aufzucht-Betriebes übergegeben. Die durchschnittliche Milchleistung liegt in Neuseeland bei 4.400 kg, die durchschnittliche Herdengröße beträgt 300 Kühe.

Durch die ganzjährige Weidehaltung entfallen Investitionen in Stall- und Gebäudeanlagen größtenteils. Um eine optimale und intensive Weidehaltung zu gewährleisten, entfallen die meisten Investitionen auf die "Gangbarmachung" der Zutriebswege. Die meist vollständig arrondierten Flächen verfügen über ein Treib- und Wegesystem. Die Weiden werden von “massiven“ ca. 1,20 m hohen Wildzäunen umzäunt. Zwischen den „massiven Weideblöcken“ wird je nach Bedarf oder Wetterbedingung eine einfache Stromlitze gezogen um die Weiden weiter zu unterteilen.

Viele Milchfarmer haben in den letzten Jahren in Bewässerungsanlagen investiert, um bei Sommertrockenheit den Grasaufwuchs zu scihern. Aber auch Drainagen und und  Entwässerungsgräben wurden ebenso angelegt wie Tränkewasser-Pipelines (bringen Wasser zu den auf der Weide festinstallierten Betontränken). Kosten entstehen auch durch Bagger- und Erdarbeiten (Einebnen und dem gezielten Abflachen und Abschrägen der Bodenoberfläche, dem Bau von Straßenunterführungen, durch die die Kühe jeden Tag von der Weide zum Melkstand getrieben werden können, ohne den Verkehr zu behindern).

Wintergrazing – Winterfütterung im Lohnbetrieb

Im Vergleich zu Europa verläuft die Winterfutterbereitung während der Sommermonate eher extensiv. Nur das frische Gras, das nicht zum Weiden für die Kühe benötigt wird, wird in Form von Rundallensilage für die Wintermonate einsiliert. Üblich ist es daher, dass die Milcherzeuger ihre Kühe während der Wintermonate (Juni und Juli) in die Hände eines Lohnbetriebes geben, welcher die Tiere für 65 bis 80 Tage füttert. Etwa 90 Prozent aller Milchkühe in Neuseeland werden während dieser Zeit nicht gemolken. Der Eigentümer der Milchkuhherde hat während der Trockenstehzeit seiner Kühe Urlaub.

Innerhalb nur weniger Stunden werden die Tiere mit LKW's kilometerweit in eine neue Umgebung transportiert und rapide auf anderes Futter eingestellt. Denn bei dem sogenannten „wintergrazing“ weiden die Kühe auf Rübenfeldern, fressen die Rüben also frisch vom Feld. Um Pansenazidosen vorzubeugen werden Heu und Stroh zugefüttert. Anfang August, wenn die Abkalbeperiode startet, werden die Kühe dann zu ihrer eigentlichen Farm zurücktransportiert.

Sharemilking – Teilen motiviert

„Sharemilking“ ist eine häufig verbreitete Betriebsform der neuseeländischen Milcherzeuger. Bei dieser Betriebsfrom erhalten Angestellte einer Milchfarm oder junge Nachwuchsinvestoren einen Teil der Rendite. Teilweise werden sie auch monetär oder in Viehvermögen entlohnt. Das heißt am Ende einer Milchsaison hat der Teilhaber einen Lohn und dazu eine kleine Herde mit ca. 30 Kühen, die er wiederum einbringen oder langfristig selbst eine eigene Herde aufbauen kann.

Das Sharemilking-System bietet unzählige Möglichkeiten des „Teilens“. Der „Eintretende“ ist immer in einer Form an der Farm beteiligt und hat somit langfristig die Möglichkeit, die Farm vollständig zu übernehmen oder eigenständig eine Farm aufzubauen, ohne allzu große Schulden aufnehmen zu müssen. Für den eigentlichen Arbeitgeber liegt der Vorteil dieses Mitunternehmertums darin, sein Personal zu motivieren und an den Betrieb zu binden.

Milchpreis: vergütung nach Feststoffen

Neuseeländische Milcherzeuger werden nach „milk solids“ (MS/kg) bezahlt. Die Einheit „Milchfeststoff je Kilogramm“ berücksichtigt Fett- und Eiweißtrockengehalte. Ein MS/kg entspricht 11,6 Kilogramm frischer Milch. Im Vergleich zu Europa, erhalten neuseeländische Landwirte keine staatlichen Beihilfen, worauf die Milchfarmer des Inselstaates gewissermaßen stolz sind.

Recherche und Text: Andreas Mensinger