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Brunsterkennung

Bessere Trefferquote durch kombinierte Parameter

Zunehmende Herdengrößen und eine starke Arbeitsbelastung des Stallpersonals führen zu weniger Zeit für die Brunstbeobachtung. Die Folge sind verschlechterte Brunsterkennungsraten. An AMS-Systemen erfasste Parameter können helfen, diese zu optimieren.

In einer Studie wurden die von den automatischen Melksystemen erfassten Parameter Bewegungsaktivität, Wiederkauaktivität sowie Lebendmasse ausgewertet und miteinander kombiniert. Ziel war es, mithilfe dieser Daten die Brunsterkennung verbessern zu können. Insgesamt wurden 218 Brunstzyklen von HF-Kühen in drei Roboterbetrieben analysiert. Bei den erfassten Kühen wurde die Aktivität im brunstnahen Zeitraum (jeweils 4 Tage vor und nach der Besamung) ausgewertet. Um sicher zu gehen, dass die Brunst auch richtig erkannt wurde, wurden nur die Brunstperioden analysiert, bei denen die künstliche Besamung auch zur Trächtigkeit führte.

Aktivitätswerte

Im Betrieb 1 zeigten die Kühe bereits am Tag vor der Besamung einen deutlichen Anstieg der Aktivitätswerte. Die brunstbedingte Aktivitätssteigerung betrug 22 %, bezogen auf den Tag -1. In den anderen Betrieben war die höchste Aktivität am Tag der künstlichen Besamung festzustellen. In diesen Betrieben wird für die Brunsterkennung fast ausschließlich die Aktivitätsmessung genutzt. Im Betrieb 1 findet vorwiegend eine visuelle Brunstkontrolle statt.  Die Güstzeit beträgt dort 157 Tagen und ist viel länger als die in den anderen beiden Betrieben (120 bzw. 124 Tage). Des Weiteren unterscheiden sich die Zwischenkalbezeiten deutlich.
Die Auswertung der Brunstperioden, die nach der künstlichen Besamung zur Trächtigkeit führten, brachten folgendes Ergebnis: 16 % (Betrieb 3), 24 % (Betrieb 1) und 34 % (Betrieb 2) der tatsächlich brünstigen Kühe zeigten zur Brunst keine Aktivitätserhöhung. Sie wurden aber dennoch anhand anderer Brunstsymptome durch den jeweiligen Betriebsleiter erkannt.

Wiederkauaktivität

Einheitlicher als die Aktivität reagiert die Wiederkauaktivität im brunstnahen Zeitraum. In allen drei Betrieben sank die Wiederkauaktivität der brünstigen Kühe am Tag der künstlichen Besamung, die zur Trächtigkeit führte, am stärksten ab. Durchschnittlich nahm die Wiederkautätigkeit um 65 Minuten am Tag der Brunst im Vergleich zu den Tagen vorher und nachher ab. Der Anteil von Kühen, die keinen Abfall der Wiederkauaktivität zeigten, lag in den drei Betrieben einheitlich niedriger als bei den Aktivitätswerten. Nur 13 – 19 % der Zyklen waren nicht durch einen Abfall der Wiederkauaktivität charakterisiert.

Lebendmasse

Das Gewicht der Kühe ist im statistischen Mittel am Tag der Brunst um 5 kg niedriger, das konnte anhand von 195 Zyklen nachgewiesen werden. Dafür sind die erhöhte Aktivität sowie die geringere Futteraufnahme der Kühe im Östrus verantwortlich. Aber auch hier zeigten sich große betriebsspezifische und tierindividuelle Unterschiede. So lagen die Durchschnittswerte der HF-Kühe im Betrieb 1 bei etwa 605 kg, in den anderen beiden Betrieben zwischen 560 und 565 kg. Jedoch hatten nicht alle Kühe ein geringeres Gewicht im Östrus, bei einigen war es sogar erhöht.

Kombination der Messwerte

Die Untersuchungen zeigten, dass alle drei untersuchten Parameter (Aktivität, Wiederkautätigkeit und Lebendmasse) mit einer bestimmten, aber von Betrieb zu Betrieb unterschiedlichen Trefferrate zur Brunsterkennung genutzt werden können.

Doch lässt sich durch die Kombination dieser Messgrößen die Treffsicherheit erhöhen? Ein Vergleich ergab, dass etwa zwei Drittel der Kühe ohne Aktivitätserhöhung am Tag der Brunst, aber mit zur Trächtigkeit führender künstlicher Besamung, einen Abfall der Wiederkautätigkeit erkennen ließen. Sie konnten durch diesen Parameter richtig erkannt werden. Wird noch die Lebendmasse mit einbezogen, reagierten 95 % der Kühe am Tag der Brunst mit einer Aktivitätserhöhung und/oder einer Absenkung der Wiederkauaktivität und/oder einer Gewichtsabnahme.

 


 Quelle: Prof. Dr. Steffen Hoy, Justus-Liebig-Universität Gießen