Sicher durch den Winter

Sicher durch den Winter

Kaum sinkt die Quecksilbersäule unter 0°C ab, geht in vielen Kuh- und Rinderställen das große „Auftauen“ los. Das muss nicht sein, mit ein paar Tricks lässt sich jeder Stall winterfest machen. Selbst arktische Temperaturen von unter -15°C verursachen dann keine Überstunden im Stall.

Laufgänge offen halten:

  • Mit einem Wall aus Strohballen lassen sich offene Stallgebäude vorübergehend vor dem eisigen (Ost)Wind schützen.
  • Stationäre Entmistungsanlagen können bis -10°C betrieben werden. Mit zunehmendem Frost sollte die Frequenz erhöht werden (bis zu 1x pro Stunde). Wichtig ist auch, dass die Gülleabwurfschächte vor kaltem Wind bzw. Zugluft geschützt werden. Sind Deckel oder Roste erstmal zugefroren, nutzt auch ein funktionsfähiger Mistschieber nichts.
  • Bei Breitschieberanlagen helfen oft die folgenden Maßnahmen:
  • Schieber im geschützten (trockenen) Bereich parken oder alternativ einen geschützten Schieberbahnhof installieren.
  • Seil / Kette zugänglich verlegen (nicht in mit Wasser gefüllter Rinne).
  • Umlenkrolle an trockener Stelle platzieren, abdecken
  • Mechanismus für Klappenhochstellung reinigen,
  • Steuerung auf Frostintervall programmieren
Um das Einfrieren der Spaltenböden zu verhindern, bleibt nur das Streuen von Salz. Gefrieren die Spaltenelemente zu, so dass sich der Kot in den Laufgängen aufbaut, empfiehlt es sich, etwas feines Sägemehl (Späne) oder Strohhäcksel zu streuen. Dadurch trocknet der Boden etwas ab und den Kühen wird das Laufen erleichtert. Das ist wichtig, da Kühe bei frostigen Temperaturen mehr Zeit benötigen, um die erforderliche Energie aufzunehmen. Dadurch verlängert sich die Fresszeit um ca. eine Stunde.

Wasserversorgung sicherstellen

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Am einfachsten wäre es, das Wasser permanent fließen zu lassen. Doch das würde den Stall in eine Eisfläche verwandeln. Eingefrorene Tränken müssen aber dennoch nicht sein:

  • Oberflächlich verlegte Zuleitungen isolieren – besonders an windexponierten Stellen
  • Leitungsheizung einbauen (Dachrinnenbeheizung, Rohrbegleitheizung mit Temperaturregler).
  • Zirkulationssystem schaffen (hier wird das Wasser immer im Kreis gepumpt). Zusätzlich lässt sich hier auch noch eine Heizung zuschalten. Wichtig bei diesem System: Umwälzpumpe und Schwimmerventile regelmäßig kontrollieren! Wenn diese im ersten Becken haken, läuft das Wasser über, die restliche Leitung friert ein!
  • Einbau von Bimetallventilen in Trogtränken: Bei tiefen Temperaturen tropft hier immer etwas Wasser nach. Die stetige Wasserbewegung verhindert das Einfrieren (wichtig: Ab-/Überlauf wird benötigt).
  • Durchflusszähler mit Temperaturmesser einbauen.
Auf jeden Fall ist beim Auftauen eingefrorener Wasserrohre besondere Vorsicht geboten. Es lohnt sich ein Versuch mit heißen Tüchern, einem Fön oder einem Heizlüfter. Auf gar keinen Fall darf man mit offener Flamme oder Lötlampen an das Auftauen von Leitungen oder Zählern gehen. Vor dem Auftauen wird empfohlen, den Hauptwasserhahn zu schließen. Beim Auftauen entsteht ein Überdruck. Deshalb sollten zuvor die Hähne an der eingefrorenen Leitung geöffnet werden.

Den Melkstand heizen:

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Das Melken macht keinen Spaß, wenn die Füße eiskalt und die Finger steif gefroren sind. Deshalb sollte der Melkstand beheizt werden können. Bei sehr tiefen Temperaturen besteht sogar die Gefahr, dass die Laufflächen, Leitungen und Melkgeschirre einfrieren. Deshalb sollte eine Wärmequelle (Gebläse oder Heizstrahler) installiert werden, die sich in regelmäßigen Abständen zuschaltet (nicht nur während der Melkzeiten). Warmluftheizungen lassen sich in jedem Melkstand nachrüsten:

  • Elektrische oder mit Gas betriebene Heizlüfter, im Bodenbereich aufgestellt, können kurzfristig warme Luft in die Melkergrube bringen. Sie sollten ca. 15 Minuten vor dem Melken angeworfen werden. Nach dem Melken können die Lüfter zum Trocknen genutzt werden.
  • Sehr gut geeignet sind auch Warmluftheizungen. Sie saugen die Luft unter der Decke ab, wärmen sie über ein Heizregister auf und blasen die warme Luft über ein Rohr in die Grube.
  • Auch abgasfreie Dunkelstrahler wärmen den Melker. Allerdings sttaglen diese nur Wärme in die Grube ab (sofern darüber aufgehängt). Sie eignen sich somit nur dazu, den Arbeitsbereich des Melkers zu klimatisieren, nicht jedoch das gesamte Melkzentrum aufzuheizen (Dunkelstrahler bestehen aus einem Strahlungsrohr und einem Reflektor. Hierdurch wird die Strahlung gebündelt, in den Tierbereich geleitet und erst beim Auftreffen auf einen festen Körper in fühlbare Wärme umgewandelt. Die Umgebungstemperatur bleibt dabei kühler als die vom Tier empfundene Wärme).
  • Weniger bewährt hat sich der Einbau einer Fußbodenheizung. Diese frisst zu viel Strom, die Vorlaufzeiten sind zu lang, zudem wird die Raumluft nur schwach erwärmt. Warme Iso-Stiefel sind hier die wesentlich günstigere, aber sinnvollere Investition.
  • Die kritischen Stellen im Melkstand sind der Ein- und Ausgang. Nach jeder Reinigung sollten diese Laufflächen möglichst abgezogen werden. Gegebenenfalls kann auch etwas Salz, Sägemehl oder Strohhäcksel gestreut werden. Wichtig ist, dass die Türen zugdicht schließen.
  • In den dem Melkzentrum vorgelagerten Warteräumen kann eine Faltjalousie zwischen Melkstand und Vorwartehof bzw. Liegebereich und Vorwartehof, die während der melkfreien Zeit heruntergelassen wird, den Melkstand zwischen den Melkzeiten frostfrei halten.

Fütterung: Nur 4 kg Trockenmasse vorlegen

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Ist der Futtertisch frostgefährdet, sollte die Frequenz der Futtervorlage erhöht werden. Gefrorene Futtermittel sollen grundsätzlich nicht verfüttert werden. Futtermischungen mit einem Trockenmassegehalt von unter 50 % sollten innerhalb von 4 Stunden von den Tieren aufgenommen werden. Die Futtervorlage sollte nicht mehr als 4 kg Trockenmasse je Tier beinhalten. Um den Trockenmassegehalt der Gesamtration zu erhöhen, könnte es auch sinnvoll sein, verstärkt trockene Grundfutter, wie Heu oder Stroh in die Ration zu nehmen.

Die Kerntemperatur von Silos liegt in der Regel zwischen 15 und 18 °C. Dieses Wärmepolster wirkt, selbst bei starkem Frost, einem vollständigen Durchfrieren von Silos entgegen. Bei Außentemperaturen -5 bis -10 °C friert die Silage in Horizontalsilos häufig nur in den Randschichten. In Abhängigkeit des Trockenmassegehaltes sind bis zu 20 cm gefährdet. Bei länger anhaltenden Frostperioden mit Temperaturen unter -10° C können flache Erdsilos, Freigärhaufen oder Schlauchsilos sogar bis zu einem Meter tief durchfrieren. Ist mit lang anhaltendem Frost zu rechnen, sollten diese Silos mit Strohballen abgedeckt werden. Wenn der tägliche Vorschub der Silageentnahme unter 20 cm sinkt, frieren häufig auch die Anschnittsflächen dieser Silos bis in eine Tiefe von 10 cm. Besonders gefährdet sind Pressschnitzel-, Biertreber-, aber auch Gras- und Maissilagen mit einem Trockenmassegehalt von unter 28 %. Im Gegensatz zur warmen Jahreszeit, wo Sonnenwärme die aerobe Instabilität der Silage fördert, sollten deshalb die Anschnittsflächen dieser Silagen im Winter möglichst an der Südseite des Silos liegen. Die Sonneneinstrahlung kann dann ein Auftauen der Anschnittsfläche zumindest unterstützen. Stark durchfrorene Futterpartien sollten auf dem Futtertisch im Stall bzw. auf dem Hänger in Durchfahrten zum Auftauen zwischengelagert werden.

Gefrorenes Futter nicht in den Trog

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Gefrorene Futtermittel sollen grundsätzlich nicht verfüttert werden. Neben einem deutlichen Rückgang der Futteraufnahme reagiert insbesondere der Pansen mit Störungen. Durch die Absenkung der Temperatur wird die mikrobielle Aktivität in den Vormägen herabgesetzt bzw. bei größeren Dosen vollständig gehemmt. Häufig treten relativ zeitnah Durchfallerkrankungen beim Wiederkäuer auf. Da es sich oft um die Randschichten der Silos handelt und diese bei Frost schwer abzutrennen sind, kann zusätzlich der Anteil verdorbener Partien in der Silage steigen. Außerdem lassen sich die gefrorenen Futterklumpen im Mischwagen kaum händeln. Dies kann zur Sedimentation und punktuell zur Überdosierung bestimmter Futtermittel führen.

Für Hackfrüchte und deren Erzeugnisse, wie zum Beispiel Pressschnitzelsilagen, ist ein Auftauen und längeres Zwischenlagern der aufgetauten Futtermittel mit einem schnellen Verderb verbunden. Die Futtermittel verlieren ihr Gefüge, sie werden schmierig und von den Rindern ungern gefressen. Durch eine rasche Gelb- bis Schwarzfärbung wird dies auch sichtbar. Der Grund dafür ist in der Zerstörung der wasserbindenden Zellstrukturen und der Zersetzung insbesondere der Pektine.

 

 

Euter vor Frost schützen, Zitzenschäden vermeiden

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Im Winter sollte das gleiche, keimabtötende und hautpflegende Dippmittel verwendet werden wie im Sommer. Jedoch keines auf  wässriger Basis, denn dies kann selbst bei Temperaturen über 0°C an der Zitzenspitze gefrieren. Auch Barriere-Dippmittel eignen sich nicht. Sie benötigen rund 20 Minuten länger zum Trocknen, als herkömmliche Dippmittel. In dieser Zeit steigt die Gefahr von Schäden an der Zitzenspitze. Auch auf ein spezielles so genanntes „Winterdippmittel“ kann verzichtet werden. Dessen Wirkung macht sich nur negativ im Geldbeutel des Landwirts bemerkbar.

Wenn möglich, die Zitzen bei niedrigen Temperaturen nicht waschen. Das verringert den natürlichen Ölgehalt auf der Zitze und führt dazu, dass die Zitzen beim Trocknen rau werden. Außerdem sollte für jede Kuh ein neues Eutertuch verwendet werden. Hier eigenen sich Stofftücher gut. Sie haben den Vorteil, dass sie die Zitze besser trocknen und weniger abschürfen.

Nach dem Melken sollten die Kühe nicht direkt durch „windige Gegenden“ laufen müssen. Ist dies jedoch nicht zu vermeiden, sollte dafür gesorgt sein, dass keine Wasser- oder Dippmitteltropfen an der Zitzenspitze hängen. Sie sollten mit einem Stoffhandtuch abgetupft werden. Das dauert nicht lange, verhindert aber „Frostbeulen“ an der Zitzenspitze. Achtung: Nicht die komplette Zitze abtrocknen und somit das Dippmittel entfernen!

 

Boxen trocken halten

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Nasse Liegeflächen erhöhen den Wärmeverlust über die Körperoberfläche und damit das Risiko an Zitzenschäden.Das Einstreumaterial der Liegeflächen sollte daher auch im Winter regelmäßig ausgetauscht werden. Bakterien können sich im Winter genauso gut in der Einstreu vermehren wie im Sommer. Ein geringer Temperaturunterschied zwischen Einstreu und Körpertemperatur des Tieres (etwa 4°C) ermöglicht dies.

 

Frostige Temperaturen stellen für neugeborene Kälber selbst bei Igluhaltung kein Problem dar – vorausgesetzt der Tränkeplan der Witterung entsprechend angepasst.

Schlagworte

Temperaturen, Auftauen, Wasser, Stall, Winter, Frost, Silos, Melkstand, Zitzenspitze, Futtermittel

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