
Kaum sinkt die Quecksilbersäule unter 0°C ab, geht in vielen Kuh- und Rinderställen das große „Auftauen“ los. Das muss nicht sein, mit ein paar Tricks lässt sich jeder Stall winterfest machen. Selbst arktische Temperaturen von unter -15°C verursachen dann keine Überstunden im Stall.
Am einfachsten wäre es, das Wasser permanent fließen zu lassen. Doch das würde den Stall in eine Eisfläche verwandeln. Eingefrorene Tränken müssen aber dennoch nicht sein:
Das Melken macht keinen Spaß, wenn die Füße eiskalt und die Finger steif gefroren sind. Deshalb sollte der Melkstand beheizt werden können. Bei sehr tiefen Temperaturen besteht sogar die Gefahr, dass die Laufflächen, Leitungen und Melkgeschirre einfrieren. Deshalb sollte eine Wärmequelle (Gebläse oder Heizstrahler) installiert werden, die sich in regelmäßigen Abständen zuschaltet (nicht nur während der Melkzeiten). Warmluftheizungen lassen sich in jedem Melkstand nachrüsten:
Ist der Futtertisch frostgefährdet, sollte die Frequenz der Futtervorlage erhöht werden. Gefrorene Futtermittel sollen grundsätzlich nicht verfüttert werden. Futtermischungen mit einem Trockenmassegehalt von unter 50 % sollten innerhalb von 4 Stunden von den Tieren aufgenommen werden. Die Futtervorlage sollte nicht mehr als 4 kg Trockenmasse je Tier beinhalten. Um den Trockenmassegehalt der Gesamtration zu erhöhen, könnte es auch sinnvoll sein, verstärkt trockene Grundfutter, wie Heu oder Stroh in die Ration zu nehmen.
Die Kerntemperatur von Silos liegt in der Regel zwischen 15 und 18 °C. Dieses Wärmepolster wirkt, selbst bei starkem Frost, einem vollständigen Durchfrieren von Silos entgegen. Bei Außentemperaturen -5 bis -10 °C friert die Silage in Horizontalsilos häufig nur in den Randschichten. In Abhängigkeit des Trockenmassegehaltes sind bis zu 20 cm gefährdet. Bei länger anhaltenden Frostperioden mit Temperaturen unter -10° C können flache Erdsilos, Freigärhaufen oder Schlauchsilos sogar bis zu einem Meter tief durchfrieren. Ist mit lang anhaltendem Frost zu rechnen, sollten diese Silos mit Strohballen abgedeckt werden. Wenn der tägliche Vorschub der Silageentnahme unter 20 cm sinkt, frieren häufig auch die Anschnittsflächen dieser Silos bis in eine Tiefe von 10 cm. Besonders gefährdet sind Pressschnitzel-, Biertreber-, aber auch Gras- und Maissilagen mit einem Trockenmassegehalt von unter 28 %. Im Gegensatz zur warmen Jahreszeit, wo Sonnenwärme die aerobe Instabilität der Silage fördert, sollten deshalb die Anschnittsflächen dieser Silagen im Winter möglichst an der Südseite des Silos liegen. Die Sonneneinstrahlung kann dann ein Auftauen der Anschnittsfläche zumindest unterstützen. Stark durchfrorene Futterpartien sollten auf dem Futtertisch im Stall bzw. auf dem Hänger in Durchfahrten zum Auftauen zwischengelagert werden.
Gefrorene Futtermittel sollen grundsätzlich nicht verfüttert werden. Neben einem deutlichen Rückgang der Futteraufnahme reagiert insbesondere der Pansen mit Störungen. Durch die Absenkung der Temperatur wird die mikrobielle Aktivität in den Vormägen herabgesetzt bzw. bei größeren Dosen vollständig gehemmt. Häufig treten relativ zeitnah Durchfallerkrankungen beim Wiederkäuer auf. Da es sich oft um die Randschichten der Silos handelt und diese bei Frost schwer abzutrennen sind, kann zusätzlich der Anteil verdorbener Partien in der Silage steigen. Außerdem lassen sich die gefrorenen Futterklumpen im Mischwagen kaum händeln. Dies kann zur Sedimentation und punktuell zur Überdosierung bestimmter Futtermittel führen.
Für Hackfrüchte und deren Erzeugnisse, wie zum Beispiel Pressschnitzelsilagen, ist ein Auftauen und längeres Zwischenlagern der aufgetauten Futtermittel mit einem schnellen Verderb verbunden. Die Futtermittel verlieren ihr Gefüge, sie werden schmierig und von den Rindern ungern gefressen. Durch eine rasche Gelb- bis Schwarzfärbung wird dies auch sichtbar. Der Grund dafür ist in der Zerstörung der wasserbindenden Zellstrukturen und der Zersetzung insbesondere der Pektine.
Im Winter sollte das gleiche, keimabtötende und hautpflegende Dippmittel verwendet werden wie im Sommer. Jedoch keines auf wässriger Basis, denn dies kann selbst bei Temperaturen über 0°C an der Zitzenspitze gefrieren. Auch Barriere-Dippmittel eignen sich nicht. Sie benötigen rund 20 Minuten länger zum Trocknen, als herkömmliche Dippmittel. In dieser Zeit steigt die Gefahr von Schäden an der Zitzenspitze. Auch auf ein spezielles so genanntes „Winterdippmittel“ kann verzichtet werden. Dessen Wirkung macht sich nur negativ im Geldbeutel des Landwirts bemerkbar.
Wenn möglich, die Zitzen bei niedrigen Temperaturen nicht waschen. Das verringert den natürlichen Ölgehalt auf der Zitze und führt dazu, dass die Zitzen beim Trocknen rau werden. Außerdem sollte für jede Kuh ein neues Eutertuch verwendet werden. Hier eigenen sich Stofftücher gut. Sie haben den Vorteil, dass sie die Zitze besser trocknen und weniger abschürfen.
Nach dem Melken sollten die Kühe nicht direkt durch „windige Gegenden“ laufen müssen. Ist dies jedoch nicht zu vermeiden, sollte dafür gesorgt sein, dass keine Wasser- oder Dippmitteltropfen an der Zitzenspitze hängen. Sie sollten mit einem Stoffhandtuch abgetupft werden. Das dauert nicht lange, verhindert aber „Frostbeulen“ an der Zitzenspitze. Achtung: Nicht die komplette Zitze abtrocknen und somit das Dippmittel entfernen!
Nasse Liegeflächen erhöhen den Wärmeverlust über die Körperoberfläche und damit das Risiko an Zitzenschäden.Das Einstreumaterial der Liegeflächen sollte daher auch im Winter regelmäßig ausgetauscht werden. Bakterien können sich im Winter genauso gut in der Einstreu vermehren wie im Sommer. Ein geringer Temperaturunterschied zwischen Einstreu und Körpertemperatur des Tieres (etwa 4°C) ermöglicht dies.
Frostige Temperaturen stellen für neugeborene Kälber selbst bei Igluhaltung kein Problem dar – vorausgesetzt der Tränkeplan der Witterung entsprechend angepasst.
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