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Neues System zur Siloverdichtung

Den Schlepper an den Haken hängen

Roewer

"Über Futterverluste wegen schlechter Verdichtung habe ich mich jahrelang geärgert. Da musste es doch eine Lösung geben," sagt Energiefachwirt Wilfried Röwer. Gab es nicht - zumindest keine, die ihn zufrieden gestellt hätte. Darum entwickelte er kurzerhand ein eigenes System, das im kommenden Jahr serienreif sein dürfte.

Röwer ist Landwirtschaftsmeister, hat sich zum Energiewirt fortbilden lassen und sich dann mit einer eigenen Firma selbstständig gemacht. "Maissilagen, in die man Besenstiele stecken kann, haben mich total geärgert. Auch wenn es 'nur' um Biogasanlagen geht - so viel schlechtes Futter muss doch nicht sein." Die größten Probleme treten oben und in den Randbereichen auf. "Da kommen Sie mit einer Silowalze einfach nicht vernünftig hin."

Röwer wollte ein System, das auch Silos mit besonders hohen Trockensubstanzgehalten sicher verdichtet. Bei den großen Biogasanlagen kommt die hohe Flächenleistung der Erntemaschinen hinzu, sodass viel Material in sehr kurzer Zeit anfällt. "Verdichtung besteht schlichtweg aus der Kombination von Aufstandsfläche, Schichtdicke und Gewicht", erklärt Röwer, "Deswegen versuche ich, auf eine große Fläche das größtmögliche Gewicht zu bringen."

Frontgewicht, Heckgewicht, Zughaken

Röwers Verdichtungssystem besteht aus verschiedenen Komponenten für Walz- und Abfahrtrecker. Verteilt wird mit einem 2,8m breiten und drei Tonnen schweren Front-Schubschild. Das Schild ist in 900 kg-Schritten aufballastierbar und kann optional mit einer Silo-Verteilwalze ausgestattet werden. Den Vorteil des Schubschilds sieht Röwer darin, dass man das Erntegut sehr schnell und breit verteilen und dadurch mehr Zeit in den relevanten Walzflächen (Ränder) verbringen kann. Den Walztrecker stattet Röwer zusätzlich mit einer Reifenschnellfüllanlage aus.

Der Clou: Am Heckgewicht des Walztreckers befindet sich ein ausziehbarer Zughaken, der genau in die Öse der Frontgewichte der Abfahrtrecker passt. Dadurch, dass der Walztrecker die Abfahrtrecker mit jedem Wagen über's Silo zieht, verspricht sich Röwer eine zusätzliche Verdichtung. Außerdem sei durch die flache Ablage des Ernteguts das Verteilen weniger zeitaufwendig, was Raum zum Walzen schaffe. Der Zughaken ist hydraulisch gefedert, damit weniger Stöße durch den zweiten Trecker beim Walzschlepperfahrer ankommen. An den Frontgewichten der Abfahrschlepper befindet sich eine Gummilippe, mit deren Hilfe die Schlepperfahrer selbst die Straße reinigen können.

Ziel: 250 kg TS / m3 Verdichtung

In diesem Jahr fand der erste Einsatz unter Praxisbedingungen statt. Ziel ist eine Verdichtungsleistung von mehr als 250 kg TS/m3. Bei einem Einsatz in Hasselbrock im Emsland wurden vergangene Woche rund 300 ha Mais in drei Tagen abgefahren. In einem Silo erreichte die Mannschaft 790 kg Frischmasse je m3, im zweiten 863 kg FM/m3. Nach ersten Schätzungen macht das 244 kg bzw.  267,5 kg TS/m3. Genaue Ergebnisse will der Entwickler nachreichen, wenn die Siloanalysen vorliegen. 

Eine große Herausforderung sei die Koordinierung der Schlepperfahrer gewesen, die normalerweise vor dem Silo abkippten und Überfahrten nicht mehr gewöhnt seien. "Jeden dazu zu bringen, gleichmäßig und nicht zu spät abzukippen, ist Sisyphos-Arbeit", sagt Wilfried Röwer mit einem Augenzwinkern.

Anfang 2014 soll das patentierte System in den Verkauf gehen. Zielgruppe sind Landwirte, Käufer wohl eher Lohnunternehmen, die ihre Ernteflotten damit ausrüsten. Ein Kaufpreis steht noch nicht fest.

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Schlagworte

Röwer, Verdichtung, geärgert, Wilfried, Zughaken, Abfahrtrecker, Besenstiele, Energiefachwirt, Heckgewicht, Walztrecker

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