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USDA

Prognose globale Milcherzeugung 2016

Laut dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium zeichnet sich angesichts der steigenden Preise für Vollmilch und Magermilchpulver ganz langsam eine Neuausrichtung am globalen Milchmarkt ab. Die hohen Lagerbestände erschweren jedoch eine rasche Preiserholung.

Mit Blick auf die jüngst positiven Preisentwicklungen für Milchpulver am Weltmarkt rechnet das amerikanische Landwirtschaftsministeriums (USDA) in seinem aktuellen Bericht für den globalen Milchmarkt in 2016 damit,  dass der immer noch reichliche Produktionsüberschuss am globalen Milchmarkt im Zuge einer „Neuausrichtung“ langsam abgebaut werden könnte.

Denn obwohl sie für dieses Jahr mit einem Anstieg der globalen Milcherzeugung im Vergleich zum Vorjahr um 6,12 Mio. t oder 1,2 % auf 499,81 Mio. rechnen, verteuerte sich Vollmilchpulver bis Anfang Juli 2016 im Vergleich zu Mitte Februar um fast 12 %. Begründet sehen die Milchmarktexperten aus Washington dies in einem insgesamt geringeren Exportangebot sowie der wieder steigenden Nachfrage nach Vollmilchpulver des asiatischen Raums. Insbesondere China habe sich in den vergangenen Monaten seit länger Ruhepause verstärkt mit größeren Mengen am Weltmarkt eingedeckt, allein im Mai 2016 seien die Importe von Vollmilchpulver dort um 20 % zur Vorjahresmenge angestiegen. Das USDA nimmt diese Entwicklung zum Anlass die für 2016 zu erwartenden Liefermengen an Vollmilchpulver nach China um 15.000 t auf 375.000 t zu erhöhen. In 2015 waren es 347.000 t.

Als weiteres Geschehen das für eine neue Ausrichtung des Weltmilchmarktes spricht, beschreibt die USDA das sich seit Anfang Mai verteuernde Magermilchpulver in den führenden Exporthäfen Ozeaniens: trotz reichlich gefüllter Lager im eigenen Land und umfangreicher Interventionsmengen der EU war der Preis für Magermilchpulver um 11 % angestiegen. Diese vorhandenen Überschüsse würden laut des Ministeriums jedoch eine weitere Erholung der Magermilchpulverpreise in der nahen Zukunft erschweren, so dass eine kräftigere Preiserholung bis in das kommende Jahr hinein weitgehend auszuschließen ist. Allerdings könnte die jüngste Verteuerung des Milchpulvers darauf hindeuten, dass die Marktversorgung mit Milcherzeugnissen insgesamt zunehmend unsicher wird.

Die Entwicklungen in den wichtigsten Milcherzeugerländern

Während die Milcherzeugung in den im Export dominierenden Ländern in 2016 im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 5,9 Mio. t oder fast 2 % in der Summe auf 288,8 Mio. t steigen dürfte, fallen die länderspezifischen Prognosen recht uneinheitlich aus.

Europa: Für das europäische Milchaufkommen gehen die Experten der USDA von einem Anstieg um 1,3 % auf 151,6 Mio. aus. Der Zuwachs verringert sich damit im Vergleich zu den Vorjahren, in denen sich die Anlieferungsmengen in 2014/15 um 2,1 % und in 2013/14 sogar um 4,6 % gesteigert hatten. Insgesamt waren in den ersten vier Monaten von 2016 EU-weit zwar noch 6 % mehr angeliefert worden, dass werde sich für den Rest des Jahres jedoch ändern. Hier wird mit einem deutlichen Rückgang aufgrund der von Januar bis Juni 2016 um 13 % gesunken Erzeugerpreise gerechnet. Die Verluste für die europäischen Milcherzeuger würden laut der Einschätzung der US-Amerikaner jedoch durch die Subventionen von Staat und Ländern abgefedert. So beziffert die USDA die Subventionen der EU-Kommission an die Milcherzeuger für die letzten zwölf Monate (ohne Beihilfen für die private Lagerhaltung sowie Interventionskäufe und die teils einzelstaatliche Kofinanzierung!) auf insgesamt mehr als 1 Mrd. Euro. Das würde - bezogen auf die für dieses Jahr prognostizierte Anlieferungsmenge - einer Stützung von 0,7 Cent pro Kilogramm Milch entsprechen. Die EU-Kommission rechnet in ihrer im Juli veröffentlichten Kurzfristprognose für 2016 mit einem Anstieg der Anlieferungsmenge in der Gemeinschaft um 1,5 % auf 153,8 Mio. t Milch. Im kommenden Jahr soll die Milcherzeugung zwar weiter wachsen, aber dann nur noch um 0,5 % auf 154,5 Mio. t.

USA: Die US-Milchproduktion werde sich hingegen weiter steigern und zwar im Vergleich zu 2015 um 1,72 Mio. t (1,8 %) auf 96,34 Mio. t. Hier passen die Gewinnmargen noch.

Argentinien: Die argentinische Milcherzeugung wird sich laut der USDA voraussichtlich in 2016 um 13,4 % oder 1,55 Mio. t auf 10 Mio. t reduzieren. Ursache dafür sind die geringen Gewinnmargen (Erzeugerpreisrückgang im Zwölfmonatszeitraum bis einschl. Februar 2016 um 50 % auf 0,20 $/l bzw. 0,18 €/l bei gleichzeitig gestiegenen Futterkosten, da die Exportbeschränkungen für Mais abgeschafft wurden) sowie die Überschwemmungen im Zuge des El Niño im April. Von April bis Mai hat sich das Milchaufkommen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwischen 18 und 20 % verringert.
Es wird davon ausgegangen, dass viele kleinere und weniger effiziente Betriebe aus der Produktion ausscheiden. Der Kuhbestand hat sich um 71.000 Stück (4,0 %) auf nun mehr 1,72 Mio. Kühe verkleinert.

Neuseeland: Auch das Milchaufkommen der Neuseeländer soll rückläufig sein. Mit 21,15 Mio. t dürfte sie das Vorjahresergebnis um 432.000 t (2,0 %) unterschreiten. Ursache sind auch hier die extrem niedrigen Milcherzeugerpreise. Die Betriebe werden ihre Kosten durch weniger Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln und durch Bestandsverkleinerungen durch Schlachtungen senken. Der Kuhbestand könnte sich laut USDA so um 75.000 Stück (1,5 %) auf 4,93 Mio. Kühe verringern.

Australien: In Australien soll sich die Milchproduktion um 100.000 t (1,0 %) auf 9,7 Mio. verringern. Die wichtigsten Erzeugungsregionen im Südosten Australiens und Tasmanien litten unter sehr geringen Niederschlägen, die Weideflächen entwickelten sich etwa im Bundesstaat Victoria (hier stehen fast 2/3 der australischen Milchkühe) so schlecht wie zuletzt vor 40 Jahren. Im Mai 2016 wurde in Australien insgesamt ein Produktionsrückgang von 5 % verzeichnet. Auch der Kuhbestand werde weiter durch Schlachtungen abgestockt. Die Milchviehherde Australiens soll sich daher um 15.000 Tiere (0,9 %) auf 1,69 Mio. Kühe reduzieren.

Umrechnungskurs: 1 $ = 0,9106 Euro

Quelle: AgE