Zum Inhalt springen

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Neue Zuchtwerte für direkte Gesundheitsmerkmale Digital Plus

Im April 2019 veröffentlicht das VIT die ersten offiziellen Gesundheitszuchtwerte für Holsteinbullen. Weitere Neuigkeiten sind eine gemischte Lernstichprobe, eine veränderte RZM-Formel und die Entwicklung eines Zuchtwertes für Kälberfitness.

Zur nächsten Zuchtwertschätzung im April 2019 veröffentlicht das VIT (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung, Verden) zum ersten Mal offizielle Zuchtwerte für die direkten Gesundheitsmerkmale Mastitis, Klauen, Reproduktion und Stoffwechsel. Die vier Zuchtwerte gelten für schwarz- und rotbunte Holsteinbullen. Mit einer standardisierten Datenerfassung durch Programme wie GKUH-plus und KuhVision sowie einer unselektierten Kuh-Lernstichprobe für genomische Zuchtwerte steht eine umfassende Datenbasis für die Entwicklung dieser neuen Zuchtwerte zur Verfügung. Zusätzlich dazu werden seit über 20 Jahren Abgangsursachen von Kühen erfasst, die mit in die Zuchtwertschätzung einfließen. Bei der Erfassung werden die Abgangsursachen in Euterkrankheiten, Erkrankungen der Gliedmaßen und Klauen, Unfruchtbarkeit und Stoffwechselkrankheiten unterteilt. Genetische Korrelationen zwischen Abgangsursachen und Gesundheitsmerkmalen liegen bei ca. 0,50 bis zu 0,90. Dadurch liefern die Abgangsursachen eine zusätzliche Sicherheit für die geschätzten Gesundheitszuchtwerte. Vier einzelne Zuchtwerte für direkte Gesundheitsmerkmale Alle vier Zuchtwerte stehen für Merkmalskomplexe, d.h. sie schließen verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlicher Gewichtung ein (siehe Tabelle). Die Gesundheitszuchtwerte werden wie alle weiteren Zuchtwerte in der Relativ-Skala mit einem Mittelwert von 100 dargestellt. Hohe Werte stehen demnach für das züchterische Ziel, in diesem Fall für weniger erkrankte Töchter. Die Sicherheit ist geringer als die der klassischen Zuchtwerte. Aufgrund ausreichender Informationen über die Töchtergesundheit wird es zu Beginn vorwiegend Zuchtwerte für ältere Bullen, d.h. für Wiedereinsatzvererber geben. Bei ersten Untersuchungen der Erkrankungsrate von Töchtern der oberen 20 % und der unteren 20 % Bullen sind Unterschiede erkennbar. Dabei ist der Unterschied zwischen den schlechteren Bullen und dem Durchschnitt deutlicher als der Unterschied zwischen den besseren Bullen und dem Durchschnitt

Digital Plus

Dieser Inhalt ist exklusiv für Elite Abonnenten

Login

Benutzername oder Email-Adresse
Passwort
Zur nächsten Zuchtwertschätzung im April 2019 veröffentlicht das VIT (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung, Verden) zum ersten Mal offizielle Zuchtwerte für die direkten Gesundheitsmerkmale Mastitis, Klauen, Reproduktion und Stoffwechsel. Die vier Zuchtwerte gelten für schwarz- und rotbunte Holsteinbullen. Mit einer standardisierten Datenerfassung durch Programme wie GKUH-plus und KuhVision sowie einer unselektierten Kuh-Lernstichprobe für genomische Zuchtwerte steht eine umfassende Datenbasis für die Entwicklung dieser neuen Zuchtwerte zur Verfügung. Zusätzlich dazu werden seit über 20 Jahren Abgangsursachen von Kühen erfasst, die mit in die Zuchtwertschätzung einfließen. Bei der Erfassung werden die Abgangsursachen in Euterkrankheiten, Erkrankungen der Gliedmaßen und Klauen, Unfruchtbarkeit und Stoffwechselkrankheiten unterteilt. Genetische Korrelationen zwischen Abgangsursachen und Gesundheitsmerkmalen liegen bei ca. 0,50 bis zu 0,90. Dadurch liefern die Abgangsursachen eine zusätzliche Sicherheit für die geschätzten Gesundheitszuchtwerte. Vier einzelne Zuchtwerte für direkte Gesundheitsmerkmale Alle vier Zuchtwerte stehen für Merkmalskomplexe, d.h. sie schließen verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlicher Gewichtung ein (siehe Tabelle). Die Gesundheitszuchtwerte werden wie alle weiteren Zuchtwerte in der Relativ-Skala mit einem Mittelwert von 100 dargestellt. Hohe Werte stehen demnach für das züchterische Ziel, in diesem Fall für weniger erkrankte Töchter. Die Sicherheit ist geringer als die der klassischen Zuchtwerte. Aufgrund ausreichender Informationen über die Töchtergesundheit wird es zu Beginn vorwiegend Zuchtwerte für ältere Bullen, d.h. für Wiedereinsatzvererber geben. Bei ersten Untersuchungen der Erkrankungsrate von Töchtern der oberen 20 % und der unteren 20 % Bullen sind Unterschiede erkennbar. Dabei ist der Unterschied zwischen den schlechteren Bullen und dem Durchschnitt deutlicher als der Unterschied zwischen den besseren Bullen und dem Durchschnitt. RZ-Mastitis: (Mastitisresistenz) Durch die zusätzlichen Daten der Abgangsursachen erreicht dieser Zuchtwert für Mastitis eine gute Sicherheit von über 50 %. Die genetische Beziehung zwischen diesem neuen Zuchtwert und dem bekannten Zuchtwert für die somatische Zellzahl (RZS) liegt bei ca. 0,60. Insgesamt hängen Zellzahl und Mastitis also eng zusammen, es gibt aber auch Bullen, bei denen es deutliche Unterschiede zwischen beiden Werten gibt. RZ-Klauen: (Klauengesundheit) Für die Verbesserung der Klauengesundheit gab es bislang keine wirklichen Hilfsmittel, da die klassischen Fundamentsmerkmale fast keine Beziehung zur Klauengesundheit aufweisen. Mit dem Zuchtwert DDcontrol gibt es seit Kurzem aber auch einen direkten Wert für die Mortellaroanfälligkeit. Demnach kann jetzt deutlich intensiver auf Klauengesundheit gezüchtet werden. RZ-Repro: (Reproduktionsstörungen) Bei dem Merkmal der Reproduktionsstörungen wird zwischen Störungen früh und später in der Lakation unterschieden. Die späteren Störungen haben dabei eine engere genetische Beziehung zu dem klassischen Zuchtwert für Töchterfruchtbarkeit (RZR) und zu Abgängen als Folge von Fruchtbarkeitsstörungen. RZ-Metabol: (Metabolische Stoffwechselstabilität) Bei der metabolischen Stoffwechselstabilität haben besonders die Abgangsinformationen zu einer erhöhten Sicherheit des Zuchtwerts RZ-Metabol geführt. Bei diesem Zuchtwert besteht noch das größte Verbesserungspotenzial, da Stoffwechselerkrankungen besonders in höheren Laktationen auftreten und dieser Datenbestand in den nächsten Jahren noch ergänzt wird. Die einzelnen Gesundheitszuchtwerte werden in dem Gesamt-Gesundheitszuchtwert RZ-Gesund zusammengefasst. In Zukunft soll die Eingliederung der direkten Gesundheitszuchtwerte in das Zuchtziel und somit in den Gesamtzuchtwert RZG erarbeitet werden. Weitere Veränderungen in der Zuchtwertschätzung ab April: Gemischte Lernstichprobe: Bislang basierte die genomische Zuchtwertschätzung in Deutschland auf einer Lernstichprobe von rund 38.000 Bullen. Um aber die gesamte genetische Streuung in der Zuchtpopulation noch besser zu repräsentieren, werden in Zukunft rund 150.000 Kühe die Lernstichprobe erweitern. Durch die Typisierung weiblicher Kälber und deren späteren Leistungen erweitert sich die Datengrundlage. Mit der Zeit werden die weiblichen Tiere immer mehr Gewicht bekommen, da stetig junge Kühe dazukommen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass sich die Sicherheit der genomischen Zuchtwerte auf Basis einer gemischten Lernstichprobe um 0,02 bis 0,05 % leicht erhöht. Auch für die Entwicklung neuer Merkmale wie Tiergesundheit, Futtereffizienz und Reduzierung von Emissionen ist eine genügend große und repräsentative Datenbasis wichtig. Neue RZM-Formel: Begründet mit der besseren Verwertung und Bezahlung von Fett im Verhältnis zu Eiweiß, wird die Formel für den Zuchtwert Milchleistung (RZM) entsprechend angepasst. Die Gewichtung von Fett- zu Eiweißmenge wird von 1:4 auf 1:2 verändert, was zu einer relativ stärkeren Gewichtung von Fett führt. Die neue Gewichtung wird sich leicht positiv auf die Fett- und Eiweißprozente auswirken, da die genetische Beziehung der Fettmenge zu den Fett- und Eiweißprozenten deutlich positiver ist als die der Eiweißmenge. Insgesamt sind die Auswirkungen auf den RZM nicht so drastisch. Die meisten Milchleistungszuchtwerte ändern sich lediglich um einen bis zu drei Punkten. Dennoch sind die Bullen mit einer positiven Vererbung von Inhaltsstoffen die deutlichen "Gewinner". Neuer Zuchtwert für Kälberfitness: Bisher gibt es für Jungtiere nur den Zuchtwert der Totgeburtenrate, der sich auf Verluste bis 48 Stunden nach der Geburt bezieht. In Zukunft wird zusätzlich der Zuchtwert RZ-KFit für Kälberfitness eingeführt. Dieser Zuchtwert steht für die Fähigkeit der Jungtiere, die Aufzuchtperiode (Tag 2 nach der Geburt bis zu 15 Monaten) zu überleben. Da je nach Altersabschnitt unterschiedliche Krankheiten auftreten, wird das Schätzmodell in fünf verschiedene Altersabschnitte unterteilt. Die Erblichkeit dieses Merkmals ist mit knapp 2 % sehr gering, die Sicherheit ist aber gut (rein genomisch = 51 %). Rund 8 Millionen weibliche Kälber seit 2006 bilden die Datengrundlage, wobei männliche Kälber in der Zuchtwertschätzung nicht berücksichtigt werden. Wie alle anderen Zuchtwerte wird auch dieser auf der Relativ-Skala mit Mittelwert 100 dargestellt. Derzeit bedeutet ein RF-KFit von 100, dass etwa 91 % der weiblichen Kälber eines Bullen die betrachtete Aufzuchtperiode überleben. Hohe Werte bedeuten also weniger Kälberverluste. An diesem Zuchtwert wird weitergearbeitet, die Einführung ist für August 2019 oder April 2020 geplant. Quelle: vit, Milchrind