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Europäische Kälberkonferenz

Kälberdurchfall: Die richtige Strategie wählen

Bei bis zu 60 Prozent der Kälber, die in den ersten zwei Lebensmonaten sterben, ist Durchfall die Todesursache. Daher ist es wichtig bei ersten Anzeichen schnell zu reagieren und die jungen Tiere mit Elektrolyten zu versorgen. Hier einige Tipps!

Durchfälle bei Kälbern können verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen neben Erregern (Viren, Bakterien und Parasiten), sowohl die Fütterung als auch eine schlechte (Trink-)Wasserqualität. Doch ganz gleich welche Ursache zugrunde liegt, bei ersten Anzeichen einer Durchfallerkrankung muss sofort gehandelt werden. Folgende Maßnahmen einleiten:

  1. Körpertemperatur messen (normal zwischen 38,5 und 39,5°C), erhöhte Temperatur deutet auf Infektion hin.
  2. Vitalität anschauen: Kann das Kalb noch allein stehen? Ist es teilnahmslos? Ist der Saugreflex - leicht oder gar nicht - vorhanden?
  3. Dehydratation beurteilen. Hier die einfachsten Parameter zur Beurteilung des Austrocknungsgrad:

Einfallen der Augäpfel: Augenlider sanft auseinander ziehen. Normalerweise liegen die Lider direkt am Augapfel an. Bei stark ausgetrockneten Kälbern fallen die Augäpfel bis zu 8mm (-12mm) in die Augenhöhle zurück.

Elastizität (Straffheit) der Haut: Dies lässt sich am besten am Hals durch Kneifen und Drehen der Haut um 90° messen. Dabei ist die Zeit entscheidend, bis sich die Haut wieder glatt legt. Bei 1 bis 3 Sekunden kann man von einer leichten Dehydratation ausgehen. Bei mehr als 5 Sekunden von einer schweren Austrocknung. Bei einer stärkeren Dehydratation muss der Tierarzt hinzugezogen werden.

Bei wässrigem Durchfall verlieren Kälber in kürzester Zeit sehr viel Flüssigkeit.

Wie sieht die ideale Rehydratationstränke aus?

Kälber verlieren bei Durchfall Wasser und Elektrolyte, vor allem Natrium, Kalium und Chlorid. Das kann neben der Austrocknung auch zu einer metabolischen Azidose führen. Mit einer Rehydratationstränke sind deshalb folgende Therapieziele zu erreichen:

  • Die Dehydratation (Austrocknung) des Kalbes zu korrigieren;
  • die metabolische Azidose aufheben indem der normale Blut pH-Wert wieder hergestellt wird;
  • den Elektrolythaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen;
  • die negative Energiebilanz wieder zurückfahren;
  • das Wachstum krankmachender Erreger verhindern.

Eine ideale Tränke sollte enthalten: Für die ideale Natriumkonzentration oraler Rehydratationstränken gibt es unterschiedliche Angaben. Die meisten Experten empfehlen jedoch Konzentrationen zwischen 90 und 130 mmol/l. Bei akutem Kälberdurchfall kann bei einem stark dehydrierten Kalb auch Kalium im Organismus fehlen. Deshalb sollte eine orale Rehydratationslösung auch einen Kaliumgehalt von 10 bis 30 mmol/l aufweisen. Glukose und Natrium sind für die Absorption von Wasser wichtig. Wasser folgt im Organismus dem Natriumfluss. Natrium wiederum wird mit Glukose co-transportiert. Deshalb ist es wichtig, dass eine orale Lösung auch Glukose enthält. Sie stellt dem Kalb zudem zusätzliche Energie zur Verfügung. Viele Tränken enthalten auch Natriumbikarbonat. Dies soll der Übersäuerung entgegenwirken. In größeren Mengen erhöht es aber den pH-Wert im Labmagen und kann es damit den Bakterien erleichtern, sich zu vermehren.

Fütterung bei Durchfall

Bei der Fütterung der erkrankten Kälber sollten man folgende Punkte einhalten:

  • Vier Liter Wasser mit Elektrolyten (körperwarmes Wasser) tränken. Die Elektrolyte dürfen auch gedrencht (z. B. zweimal täglich zwei Liter) werden.
  • Ad libitum-getränkte Kälber sollten auch ständigen Zugang zur Rehydratationstränke (schmackhaft) haben.
  • Einige Stunden nach der Elektrolyttränke wieder Milch (ca. zwei Liter) verfüttern. Diese Prozedur einige Male wiederholen. Denn die Milch liefert dem Kalb wichtige Energie und sollte deshalb nicht abgesetzt werden.

Quelle: Johan Hoogendoorn (dairytop), Smith