Zum Inhalt springen

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

ELITE HERDENMANAGER

Kälber sind die späteren Kühe Digital Plus

Kälber und Jungrinder standen in der vergangenen Woche im Fokus des Herdenmanagerkurses. Um die Aufzucht optimal zu managen, dürfen eine gute Arbeitsorganisation sowie eine klare Kommunikation im Betrieb nicht fehlen. Dazu gab es nützliche Tipps.

Das dritte Modul des diesjährigen Elite Herdenmanagerkurses verbrachten Teilnehmer und Referenten in Südhessen. Auf dem besuchten Betrieb waren interessante Strategien und Haltungsformen für die Kälber- und Jungrinderaufzucht zu sehen. Zusätzlich dazu waren auch Arbeitsorganisation und der Umgang mit Mitarbeitern wichtige Theme der Praxistage. Kälber sauber halten und intensiv füttern "Kälber sind unsere späteren Kühe!" - das sollten alle Milchkuhhaltern immer wieder bedenken. Doch besonders in der Kälber- und Jungrinderaufzucht liegen eine Menge Reserven, um in Zukunft noch gesündere und leistungsfähigere Kühe zu haben. Zusammen mit Dr. Christian Koch (Hofgut Neumühle) und Holger Kruse haben sich die Teilnehmer des diesjährigen Kurses intensiv mit Kälberhaltung- und Kälberfütterung beschäftigt. In Aufzuchtställen sind besonders die Faktoren Luftaustausch und Einstreu wichtig. Die Einstreu kann mit dem Nesting Score 1 bis 3 beurteilt werden und steht in einem direkten Zusammenhang mit Lungenerkrankungen. Vor allem die neugeborenen Kälber sollten in einem frischen "Strohnest" untergebracht werden, um vor Kälte, Zugluft, Keimen und schädlicher Luft (z.B. Ammoniak) geschützt zu werden. Lungenerkrankungen führen zu deutlichen Leistungseinbußen - im Kälberwachstum und in der späteren Milchleistung. Zudem gibt es je nach Kälberstall immer Vor- und Nachteile. Ein Neubau für die Aufzucht kann zu deutlichen und vor allem langfristigen Verbesserungen führen, ist aber auch eine teure Investition und sollte deshalb zusammen mit Experten genau durchdacht werden. Wachstumsraten von Kälbern sind in fast allen Betrieben unbekannt. Ein monatliches Wiegen, zum Beispiel durch eine eingebaute Waage im Tränkeautomat, ist ein nützliches Kontrollinstrument. Ziel für Holsteinkälber sind durchschnittliche Tageszunahmen von 1000g in den ersten zwölf Monaten. Um das zu erreichen, ist eine ausreichende Kolostrumversorgung, hohe Tränkemengen, eine langsame Futterumstellung sowie regelmäßiges Impfen wichtig. Besonders beim Kolostrum gilt: "Viel hilft und je früher desto besser!". Die lebenslange Immunbalance eines Tieres wird mit der Kolstrumgabe bestimmt. Weitere Tipps für die Kälberfütterung sind: Bei rationierter Tränke sind Mengen bis zu sechs Litern je Tränke kein Problem. Der Labmagen dehnt sich bei großen Mengen

Digital Plus

Dieser Inhalt ist exklusiv für Elite Abonnenten

Login

Benutzername oder Email-Adresse
Passwort
Das dritte Modul des diesjährigen Elite Herdenmanagerkurses verbrachten Teilnehmer und Referenten in Südhessen. Auf dem besuchten Betrieb waren interessante Strategien und Haltungsformen für die Kälber- und Jungrinderaufzucht zu sehen. Zusätzlich dazu waren auch Arbeitsorganisation und der Umgang mit Mitarbeitern wichtige Theme der Praxistage. Kälber sauber halten und intensiv füttern "Kälber sind unsere späteren Kühe!" - das sollten alle Milchkuhhaltern immer wieder bedenken. Doch besonders in der Kälber- und Jungrinderaufzucht liegen eine Menge Reserven, um in Zukunft noch gesündere und leistungsfähigere Kühe zu haben. Zusammen mit Dr. Christian Koch (Hofgut Neumühle) und Holger Kruse haben sich die Teilnehmer des diesjährigen Kurses intensiv mit Kälberhaltung- und Kälberfütterung beschäftigt. In Aufzuchtställen sind besonders die Faktoren Luftaustausch und Einstreu wichtig. Die Einstreu kann mit dem Nesting Score 1 bis 3 beurteilt werden und steht in einem direkten Zusammenhang mit Lungenerkrankungen. Vor allem die neugeborenen Kälber sollten in einem frischen "Strohnest" untergebracht werden, um vor Kälte, Zugluft, Keimen und schädlicher Luft (z.B. Ammoniak) geschützt zu werden. Lungenerkrankungen führen zu deutlichen Leistungseinbußen - im Kälberwachstum und in der späteren Milchleistung. Zudem gibt es je nach Kälberstall immer Vor- und Nachteile. Ein Neubau für die Aufzucht kann zu deutlichen und vor allem langfristigen Verbesserungen führen, ist aber auch eine teure Investition und sollte deshalb zusammen mit Experten genau durchdacht werden. Wachstumsraten von Kälbern sind in fast allen Betrieben unbekannt. Ein monatliches Wiegen, zum Beispiel durch eine eingebaute Waage im Tränkeautomat, ist ein nützliches Kontrollinstrument. Ziel für Holsteinkälber sind durchschnittliche Tageszunahmen von 1000g in den ersten zwölf Monaten. Um das zu erreichen, ist eine ausreichende Kolostrumversorgung, hohe Tränkemengen, eine langsame Futterumstellung sowie regelmäßiges Impfen wichtig. Besonders beim Kolostrum gilt: "Viel hilft und je früher desto besser!". Die lebenslange Immunbalance eines Tieres wird mit der Kolstrumgabe bestimmt. Weitere Tipps für die Kälberfütterung sind: Bei rationierter Tränke sind Mengen bis zu sechs Litern je Tränke kein Problem. Der Labmagen dehnt sich bei großen Mengen aus. Der Milchaustauscher sollte einen Magermilchpulver-Anteil von 40 bis 50% aufweisen. Auch bei der Tränke sollte wie beim Melken die Reihenfolge beachtet werden, um Infektionen zu vermeiden: 1. junge Kälber, 2. ältere Kälber, 3. kranke Kälber. Um eine andauernde Umstallung zu vermeiden oder weniger muntere Kälber zu förden, können auch zwei Kälber für einige Zeit zusammen in ein Iglu eingestallt werden. Kolostrumqualität und Durchfallkot selbst testen Was bei der Geburtshilfe entscheidend ist, wie Kälberdurchfall behandelt wird und wie Kolostrumtester funktionieren, haben die Teilnehmer zusammen mit Tierärztin Dr. Marion Weerda diskutiert. Kälberdurchfall ist die häufigste Todesursache während der Aufzucht. Vorbeuge in Form von Hygiene ist der erste entscheidende Faktor, um Kälberdurchfall im Betrieb generell zu reduzieren. Bricht Durchfall dennoch aus, heißt es zuerst, die Flüssigkeitsversorgung des Kalbes sicherzustellen. Mindestens dreimal am Tag sollte dem Kalb Elektrolyte angeboten werden, wenn das Kalb gar nicht säuft können im Notfall bis zu 1,5 Liter gedrencht werden. Die Versorgung mit Milch darf dabei nicht komplett gestoppt werden, da das Kalb sonst nicht ausreichend Energie erhält. Die Milch darf maximal in einer Mahlzeit ausgesetzt werden. Eine andere Möglichkeit ist die Reduzierung der Milchmenge je Mahlzeit. Ist das Kalb sehr krank und säuft nicht selbstständig, sollte umgehend der Tierarzt informiert werden (Infusion). Ein Erregernachweis über eine Kotprobe hilft außerdem, das Kalb entsprechend zu behandeln. Kälberdurchfall ist sehr ansteckend! Ist der Erreger als bekannt, können die Vorbeugemaßnahmen im gesamten Kälberbereich intensiviert werden. Der Kot kann mit bestimmten Produkten auch vor Ort innerhalb von 10 Minuten untersucht werden. Kolostrum hat nicht immer eine ausreichend gute Qualität, d.h. ausreichend Immunglobuline. Die große Bedeutung der Kolostrumversorgung setzt aber eine hohe Qualität voraus. Deshalb bietet ein Kolostrumtester eine gute Möglichkeit, das Kolostrum der Kuh direkt nach der Kalbung zu überprüfen. Reicht die Qualität nicht aus, sollte das Kalb mit dem Kolostrum einer anderen Kuh oder mit eingefrorenem Kolostrum versorgt werden. Als besonders aussagekräftig und einfach zu bedienen hat sich das Refraktometer als Kolostrumtester erwiesen. Arbeitsorganisation unabhängig von der Betriebsgröße In vielen Betrieben sind Probleme im Arbeitsalltag häufig auf eine schlechte oder mangelnde Arbeitsorganisation zurückzuführen. Als einfaches Beispiel dient die Brunstbeobachtung: Wird dieser wichtige Arbeitsschritt nicht fest im Tagesablauf eingegliedert, sondern verläuft "nebenbei", werden in diesem Bereich keine guten Ergebnisse erreicht. Eine schlechte Arbeitsorganisation bedeutet immer Stress und wenig Zeit. Häufig fehlt dann auch die Zeit, um die eigene Zukunft zu planen oder sich mit Kollegen auszutauschen. Die Aufstellung von Tages-, Wochen- und Arbeitsplänen sorgt für klare Strukturen, ohne dass etwas vergessen wird. Zusätzlich dazu können SOPs (standardisierte Arbeitsanweisungen) aufgestellt werden, damit die Arbeitsqualität auch bei wechselndem Personal gleich bleibt. SOPs funktionieren besonders gut, wenn erklärende Fotos hinzugefügt werden. Für Arbeitsschritte, bei denen Entscheidungen anstehen (z.B. behandlungswürdig, ja oder nein), ist es hilfreich, feste Entscheidungsbäume aufzustellen. So können Entscheidungen schnell und klar gefällt werden und festgelegte Ziele besser erreicht werden. Zusammen mit Bärbel Achelpöhler haben die Teilnehmer genau das geübt: Warum ist eine gute Arbeitsorganisation wichtig und wie stelle ich Arbeitspläne und SOPs auf. Generell gilt: Eine klare Arbeitsorganisation ist immer eine einzelbetriebliche Lösung, weil die Arbeitsstrukturen von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sind. Dabei kommt es nicht auf die Betriebsgröße an, denn auch in Betrieben ohne Fremdarbeitskräfte gibt es viele "Zeitdiebe", die durch klare Strukturen reduziert werden können. Die Arbeitsorganisation sollte alle Ebenen, d.h. alle Mitarbeiter, miteinbeziehen, dabei ist Kommunikation unumgänglich. Mitarbeiter kennen und mitnehmen Neben der Arbeitsorganisation sind auch Kommunikation und Mitarbeiterführung im Betriebsalltag sehr wichtig. Eine gute Beziehung zwischen Betriebsleiter, Herdenmanager und Mitarbeitern ist die wichtigste Grundlage. Dieses Verhältnis entscheidet häufig über die gesamte Kommunikation im Betrieb. Dabei ist jede Person unterschiedlich und muss deshalb auch unterschiedlich behandelt oder "geführt" werden. Darum ist es wichtig, seine Mitarbeiter gut zu kennen. Das gilt auch für Konfliktgespräche wie beispielsweise bei Generationskonflikten. Zusammen mit Anouk Escher haben die Teilnehmer auch erarbeitet, wie man am besten ein Feedback gibt. Folgende Punkte sind wichtig: Ein Feedback sollte immer als Dialog gestaltet sein (kein Monolog vom "Chef"). Zuerst wird die Wahrnehmung geschildert: Um welchen Arbeitsbereich geht es und welches Beispiel dient für die zu beurteilende Arbeit? Danach werden die Auswirkungen dargestellt: Was passiert, wenn die Arbeit nicht richtig ausgeführt wird? Zuletzt wird der Wunsch nach einer Veränderung (bzw. Verbesserung) geäußert: Was soll in Zukunft anders gemacht werden? Haben wir Ihr Interesse geweckt? Der nächste Kurs startet im Dezember 2019. Um weitere Informationen zu erhalten oder sich anzumelden, schreiben Sie bitte eine Mail an karina.bocke@elite-magazin.de!