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Strohpreise

Goldene Strohzeiten

Stroh zu verkaufen ist derzeit attraktiv. Denn das unbeständige Wetter der vergangenen Wochen hat am Strohmarkt nicht gerade für Entspannung gesorgt. Dementsprechend liegen die Preise bei bis zu 150 Euro/t. Lohnt es also, das Stroh in diesem Jahr pressen zu lassen, anstatt es auf dem Acker zu lassen?

Bei den gegenwärtigen Strohpreisen und einem Strohertrag von 5 bis 6 t/ha bedeutet das einen zusätzlichen Deckungsbeitrag von 750 bis 900 Euro/ha. Doch ob sich das Strohpressen für einen Betrieb wirklich rentiert, hängt von mehreren Faktoren ab.
Zunächst einmal muss unterschieden werden, ob das Stroh nach der Ernte ab Feld oder ab Lager verkauft wird, wobei in diesem Fall natürlich die Kosten für das Pressen, Einlagern und Zinsen draufgeschlagen werden müssen.
 
Das Standardverfahren berechnet zunächst den Nährstoffwert des abgefahrenen Strohs, denn die Nährstoffe stehen dann nicht mehr für die Düngung der Folgekultur zur Verfügung und müssen mit Mineral- oder Wirtschaftsdünger zugeführt werden. Das verursacht Kosten, die durch den Strohverkauf auf jeden Fall gedeckt sein müssen. Das trifft natürlich nicht zu, wenn der Boden ohnehin gut versorgt ist, der Veredelungsbetrieb Nährstoffüberhänge hat oder günstig/kostenlos an Wirtschaftsdünger kommt.
 
Nährstoffgehalte im Stroh
 
Zur Stroh-Berechnung benötigt man nun die Nährstoffpreise sowie die Nährstoffgehalte im Stroh. Die Gehalte im Stroh unterscheiden sich nicht nur von Kultur zu Kultur, auch die Literaturangaben weisen für ein und dieselbe Kulturart große Schwankungen auf (Übersicht 1).

Nährstoffentzug kg/t Mittelwert kg/t
N 3,0 – 8,0 5,5
P2O5 2,0 – 4,0 3,0
K2O 13 – 23 18
MgO 1,0 – 3,0 2,0

Eine Beispielrechnung des Landwirtschaftlichen Wochenblattes (Übersicht 2) kommt auf einen Verkaufserlös von mindestens 25,51 Euro/t, der als Ausgleich des Nährstoffexports im Portemonnaie landen muss. Die Höhe des Gewinnzuschlags, der an dieser Stelle fällig wäre, wenn das liegende Stroh ab Feld verkauft wird, muss jeder Verkäufer selbst festlegen. Zur Vereinfachung sollte man zudem die Mineraldüngerausbringungskosten von zusätzlich rund 2 Euro/t mit den eingesparten Häckselkosten zu verrechnen.
 
Gewinnzuschlag festlegen
 
Selbstverständlich muss auch die Humuswirtschaft des Betriebes in der Kalkulation des Strohpreises berücksichtigt werden. Bis hierhin ist die Rechnung noch recht einfach, muss das Stroh vor dem Verkauf jedoch noch gepresst und zusammengefahren werden, entstehen weitere Kosten. Auch hier schwanken die Angaben in einem recht großen Bereich. In der Beispielrechnung wird „gepresst ab Feldrand“ verkauft. Hier haben sich nun bereits Kosten in Höhe von knapp 59 Euro/t angesammelt. Erfolgt der Verkauf auf diese Weise, ist erst jetzt ein Gewinnzuschlag in selbst zu bestimmender Höhe möglich.
 Noch teurer wird das Stroh, wenn es eingelagert und zu einem späteren Zeitpunkt in den Handel gelangt – Transportkosten, Abschreibung für Gebäude, Zinssatz für das festgelegte Kapital sowie Ansätze für Lagerverluste sind zusätzlich zu berücksichtigen.

Nährstoffausgleich mit Nähstoffpreis €/kg Nährstoffentzug kg/t Stroh Kosten €/t
N (KAS) 1,28 5,50 5,50 *1
P2O5 (DAP) 1,35 3,0 4,05
K2O (Kornkali) 0,89 18,00 15,96
MgO 1,14 2,00 - *2
Mindestverkaufspreis lose ab Feld 25,51
mit Gewinnzuschlag 20% 30,61
Stroh pressen (Großballen) 18,00
Ballen auf- und abladen 8,30
Schlepper + Anhänger 7,00
Mindestverkaufspreis gepresst ab Feldrand 58,81
Mit Gewinnzuschlag 20% 70,57
Strohtransport 5km (1,00€/t x km) 5,00
Mindestverkaufspreis frei Lager 63,81
Mit Gewinnzuschlag 20% 76,57
6-monatige Lagerung am Feldrand bzw. in Halle 17,20 bzw. 35,00
Mindestverkaufspreis – Feldrandlagerung 81,01
Mit Gewinnzuschlag 20% 97,21
Mindestverkaufspreis Hallenlagerung 98,81
Mit Gewinnzuschlag 20% 118,57
*1 1,2kg N durch DAp abgedeckt, daher 4,3kg N über KAS; *2 Nährstoffbedarf durch Kornkali abgedeckt

Quelle: Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe