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IFCN Dairy Report

Futterkosten um 38 % hoch – Milch um 24 % runter

Der IFCN Dairy Report 2012 malt ein beeindruckendes Bild der globalen Milchproduktion. Weltweit sind seit dem vergangenen Jahr die Futterkosten um 38 % gestiegen, während die Milchpreise um 24 % gesunken sind.

Seit nunmehr 12 Jahren analysiert das IFCN Dairy Research Center in Kiel die Entwicklungen der weltweiten Milchproduktion bzw. erstellt weltweite Vergleiche von landwirtschaftlichen Betrieben und Produktionssystemen. Eine Zusammenfassung des aktuellen Reports:

  • Im Jahr 2011 wurden weltweit 721,4 Millionen t Milch produziert (ECM). Allerdings wurden davon nur 62 % an die Milchverarbeiter abgeliefert, der Rest wird auf den landwirtschaftlichen Betrieben selbst verbraucht.
  • Die Top-5 der Milchproduzenten sind Indien, die USA, Pakistan, China und Brasilien vor Deutschland auf dem sechsten Rang. Die meiste Milch verarbeitet wurde in den USA, gefolgt von Deutschland, China, Frankreich und Indien. Die zwanzig größten Verarbeiter verwerteten dabei 39 % der angelieferten Milch. 
Nr. Länder Milchproduktion in Mio. t ECU Milchlieferung in Mio. t ECM
1 Indien 137.5 23
2 USA 84,3 83,8
3 Pakistan 41,6 1,3
4 China 33,9 29,2
5 Brasilien 32 21,8
6 Deutschland 31,1 30,1
7 Russland 30,1 15,5
8 Frankreich 25,2 24,6
9 Neuseeland 21,3 21,3
10 Großbritannien 14,1 13,8
11 Niederlande 12,7 12,4
12 Türkei 12,2 6,7
13 Polen 12 8,9
14 Argentinien 11,4 10,2
15 Italien 11,3 10,5
16 Mexiko 11,1 7,7
17 Ukraine 10,2 4,3
18 Australien 9,80 9,50
19 Iran 9,80 7,20
20 Kanada 8,9 8,6
Welt 721,4 447

  • Fonterra als die größte Molkerei weltweit kümmert sich um 4,8 % der Milch. Danach folgenden die Dairy Famers of America (USA), Lactalis (FR), Nestlé (CH) und Dean Foods (USA). Die größte deutsche Molkerei ist das Deutsche Milchkontor auf Rang 10.
  • Die Häfte der Molkereiunternehmen kommt aus Europa, 30 % aus den USA und Kanada und 20 % aus anderen Regionen wie beispielsweise Ozeanien (NZ). Arla und Lactalis konnten in diesem Jahr im Ranking nach oben klettern, neu in die Top20 der größten Molkereienwährend vorgestoßen ist Müller. Auf Platz zehn liegt das DMK. Immerhin die Hälfte aller Molkereiunternehmen ist genossenschaftlich organisiert.
Nr. Molkerei Land Marktanteil in % Milch in Mio.t Dairy US-$ (Mio.)
1 Fonterra Co-operative Group Neuseeland 3 21,6 16,4
2 Dairy Farmers of Amerika USA 2,4 17,1 13
3 Groupe Lactalis (Pamalat) Frankreich 2,1 15 16,9
4 Nestlé Schweiz 2,1 14,9 19,1
5 Dean Foods USA 1,7 12 13,1
6 Arla Foods/MUH/Milk Link Dänemark/Schweden 1,7 12 12
7 FrieslandCampina Niederlande 1,4 10,1 13,4
8 Danone Frankreich 1,1 8,2 15,6
9 Kraft Foods USA 1,1 7,8 7,5
10 DMK Deutschland 1 6,9 6,4
11 Saputo Inc. Kanada/USA 0,9 6,3 7
12 Glanbia Group Irland 0,8 6 3,9
13 Land O'Lakes Inc. USA 0,8 5,9 4,3
14 California Dairies Inc. USA 0,6 4,6 3
15 Unternehmensgruppe Theo Müller Deutschland 0,6 4,4 6,5
16 Groupe Sodiaal Frankreich 0,6 4,1 5,7
17 Mengniu Dairy Company Ltd. China 0,6 4,1 5,8
18 GCMMF (Amul) Indien 0,6 4 2,5
19 Yili Group China 0,6 4 5,8
20 Bongrain SA Frankreich 0,5 3,6 5,5
Summe Top 20 24 172,8 183,4

Kosten weltweit gestiegen

Um die Kostenstruktur der Betriebe auszuwerten, wurden 171 typische Betriebe in 61 Regionen aus 51 Ländern analysiert. Dabei reichten die ermittelten Kosten von 5 US-$ in einem extensiv bewirtschafteten Gebiet in Kamerun bis zu 100 US-$ je 100 kg Milch in typischen Betrieben in der Schweiz. Über alle Länder hinweg kostete die Produktion einer Dezitonne Milch durchschnittlich 45 US-$. Die Variabilität war hoch.

Kosten je 100 kg Milch Land
Unter 30 US-$ Argentinien, Chile, Peru, Indonesien, Pakistan, Länder in Zentralafrika
30 – 40 US-$ Ozeanien, Südafrika, Indien, einzelne Länder in Nordafrika und Osteuropa
40 – 50 US-$ USA, Brasilien, UK, Irland, Marokko, Tunesien
Mehr als 50 US-$ Die meisten Länder in Westeuropa, Polen, Mexiko, Kolumbien, Israel, Jordanien, Iran, Türkei, China, Japan, Korea

Produktionskosten durchschnittlich bei 45 US-$ pro 100 kg Milch

Bemerkenswert ist dabei, dass im Durchschnitt  in 2011 die Kosten um 5 US-$ je 100 kg gestiegen sind. Insbesondere die Futterkosten kletterten um 38% in die Höhe (verdreifacht seit 2006!), Energie und Dünger waren ebenfalls Kostentreiber.  In 2012 wird eine weitere Steigerung um 5% erwartet. Vor allem führen die steigenden Flächenkosten zu einer weiteren Anspannung der Situation. Insbesondere darum, weil der Milchpreis im vergleichbaren Zeitraum weltweit betrachtet um 24 % gesunken ist. Seit Juli haben wir die Situation, dass ein Kilo Futter mehr kostet als ein Kilo Milch.

Das führt dazu, dass Weidebetriebe mit geringem Kraftfutteranteil (z.B. in Irland) einen Wettbewerbsvorteil genießen. Für die heimischen Milchviehhalter gilt: Entweder muss der Milchertrag gesteigert (Output maximieren) oder die Futterkosten gesenkt (Input minimieren) werden.