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Bio macht glücklich(er)

Bio-Milchbauern verdienen bei vergleichbarem Produktionsumfang bis zu 30.000 € deutlich mehr als ihre konventionell wirtschaftenden Kollegen. Der positive Gewinnabstand zwischen den beiden Gruppen nimmt stetig zu!

Zwar wurden auch die Bio-Betriebe nicht von den Auswirkungen der Finanz- und Milchkrise verschont, auch die Einkommen der Ökolandwirte sind in den letzten Wirtschaftsjahren gesunken, das aber weniger stark als die der konventionellen Milchviehbetriebe. Damit nahm der positive Gewinnabstand zwischen den beiden Gruppen weiter zu, die relative Vorzüglichkeit der ökologisch wirtschaftenden Betriebe hat sich weiter erhöht. Kein Wunder, dass die Ökolandwirte denn auch mehrheitlich zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation sind. Dies zeigen Auswertungen von Testbetriebsdaten am Institut für Betriebswirtschaft am Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI).

Milchpreis weniger stark gesunken

Vor allem die vergleichsweise hohen Biomilchpreise sorgen für das gute Abschneiden der Biomilchbetriebe. In 2009 betrug der Abstand zum konventionellen Milchpreis immerhin rund 13 Cent pro Liter. Biomilcherzeuger konnten denn auch den höchsten Gewinnabstand zu ihrer konventionellen Vergleichsgruppe realisieren, heißt es im Bericht des Instituts. Im Schnitt erzielen die Bio-Betriebe im Vergleichsjahr einen um 23 % höheren Gewinn als Betriebe aus der konventionellen Vergleichsgruppe.

In Holland konnten Biomilcherzeuger (500.000 kg Quote) in 2009 sogar 30.000 Euro mehr im Vergleich zu ihren konventionell wirtschaftenden Kollegen verbuchen. Konventionell wirtschaftende Milchviehbetriebe mussten rund 300.000 kg mehr Milch melken, um finanziell gleich ziehen zu können. Der zunehmende Gewinnabstand zwischen den biologisch bewirtschafteten und den konventionellen Betrieben ist aber nicht nur auf die für die Biomilch gewährten Zuschläge zurückzuführen, Biobetriebe füttern rund 20 % weniger Kraftfutter und zeigen im Gegenzug eine um 10 % höhere Raufutterausnutzung.

Milchmenge um 15 % zugelegt

Die Aussichten auf eine höhere Rentabilität veranlasst zunehmend mehr Milcherzeuger, über eine Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise nachzudenken. Das führte im vergangenen Jahr zu einem Anstieg des Biomilchaufkommens. Kumuliert ergibt sich für das Jahr 2009 eine Steigerung der Biomilch-Anlieferung von 15 Prozent durch Neuumsteller und Aufstockungen in bestehenden Betrieben. In Österreich waren die Steigerungen im Jahr 2009 nur noch gering, was auch zur Entspannung am Bio-Milchmarkt beigetragen hat. Im Vorjahr 2008 hatten die österreichischen Anlieferungsmengen noch um 18 Prozent zugelegt. Auch in Frankreich springen immer mehr Milcherzeuger auf den Bio-Zug auf, die Aussicht auf 30 % mehr Gewinn als bei konventioneller Milchproduktion ist auf Dauer zu verlockend.

Weiterhin gute Aussichten

Grundsätzlich sind Bio-Konsumenten bereit, für entsprechende Qualität mehr Geld auszugeben.  Selbst die Wirtschaftskrise konnte dem Sortiment kaum etwas anhaben, die Preise für Bio-Lebensmittel sind deshalb auch in den Krisenmonaten weniger stark zurückgegangen als die konventioneller Produkte. Dass der Bio-Markt sehr gute Zukunftsaussichten hat, glaubt auch Bio-Expertin Brigitte Arndt-Rausch vom Marktforschungsinstitut Nielsen. Die Verbraucher hätten ein zunehmendes Interesse an diesen Produkten. Und da Bio in den vergangenen Jahren aus der Nische herausgekommen ist und deutliche Präsenz in LEH und Drogeriemärkten gezeigt habe, treffen diese Produkte auf immer mehr Menschen, die wir die "Auch-Bio-Käufer" nennen, so Arndt-Rausch in der Lebensmittelzeitung. Diese Käufer entscheiden sich täglich neu zwischen konventioneller und Bio-Ware. Und genau jene Verbraucher sind das Wachstumspotenzial für Bio-Produkte.

Verbraucher- und Drogeriemärkte haben 2009 eine überdurchschnittliche Performance im Bio-Bereich gezeigt. Auch Supermärkte haben im vergangenen Jahr ihre Bio-Kompetenz gesteigert. Zwar bleibt das Biosegment nicht direkt in die Preiskämpfe verwickelt Die Bio-Betriebe profitieren von der Geschäftspolitik der Discounter. Die Discounter achten zwar sehr darauf, dass die Preisabstände zwischen Bio-Produkten und konventioneller Ware nicht zu groß werden, das bedeutet im Gegenzug aber auch, dass der Preisabstand zur konventionell erzeugten Milch im Kühlregal mit rund 40 Cent identisch bleibt.