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Trockenstehzeit: Wer kürzer frisst, wird häufiger krank

Trockensteher
Kühe, die in der Trockenstehzeit weniger fressen, haben in der Laktation häufiger mit Erkrankungen zu kämpfen. Foto: Berkemeier

Schon vor der Kalbung kündigen sich postpartale Erkrankungen an. Mittels Videoaufnahmen trockenstehender Jersey-Kühen wurde untersucht, ob Tiere mit erhöhtem Krankheitsrisiko in der Laktation durch eine verminderte Fresszeit bereits in der Trockenstehzeit auffallen.

Die Transitphase umfasst die letzten drei Wochen vor der Kalbung bis drei Wochen danach (post partum). In dieser Zeit benötigen die Kühe eine besondere Aufmerksamkeit, denn hier besteht für sie das höchste Risiko für metabolische und infektiöse Erkrankungen.
Die meisten Erkrankungen treten in den ersten zehn Tagen nach der Kalbung auf. In früheren Studien konnten Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Metritis, Ketose und Lahmheit nach der Geburt und einer verminderten Futteraufnahme vor dem Auftreten der Krankheitssymptome gezeigt werden. In der vorliegenden Studie wurden Zusammenhänge zwischen dem Fressverhalten in der Trockenstehzeit und dem Auftreten von peripartalen Erkrankungen (rund um die Geburt) sowie Veränderungen in Milchleistung, Milchzusammensetzung und der Zellzahl bei Kühen der Rasse Jersey untersucht.

Fressverhalten wurde mit Videokameras überwacht

925 Jersey-Kühe wurden vier Wochen vor der Kalbung in eine separate Gruppe aufgestallt. Kühe mit einem BCS < 2 und > 4 sowie lahme Kühe wurden nicht in die Untersuchung miteinbezogen. Um das Fressverhalten zu beurteilen, wurde jeder Stall mit drei Videokameras ausgestattet. Die Fresszeit wurde durch Stichprobenaufnahmen im Zehn-Minuten-Takt über 24 Stunden gemessen. Vorgabe war, dass jede Kuh mindestens zwei 24-h-Auswertungen des Fressverhaltens pro Woche hatte. Body-Condition- und Lahmheits-Scores, Blutuntersuchungen des Beta-Hydroxybutyrates und klinische Untersuchungen wurden regelmäßig bei jeder Kuh durchgeführt.

Ältere Kühe verändern ihr Fressverhalten bei Krankheit auffälliger als Erstgebärende

Die mehrlaktierenden Kühe, bei denen zwei oder mehr Erkrankungen festzustellen waren, hatten im Vergleich zu gesunden Kühen eine um 10 % verminderte Fresszeit vor dem Kalben (Übersicht).

Fresszeiten

Wurde bei ihnen eine Metritis diagnostiziert, hatten sie 5 % weniger vor der Kalbung gefressen. Erstkalbinnen mit Nachgeburtsverhaltung hatten bereits vor der Geburt 10 % weniger Zeit mit Fressen verbracht als gesunde Färsen. Es konnte kein Zusammenhang zwischen dem präpartalen (vor Kalbung) Fressverhalten und der Milchleistung/-inhaltsstoffen festgestellt werden. Da Erstlaktierende weniger Unterschiede im Fressverhalten zeigten als ältere Kühe, eignen sich Videodokumentationen beim Fressen in den letzten drei Wochen des Trockenstehens vor allem für Mehrlaktierende.
Fazit für die Praxis:
Wird in der letzten Phase des Trockenstehens eine verminderte Fressdauer registriert, sollten diese Kühe markiert und nach der Geburt besonders beobachtet und frühzeitig behandelt werden. Zudem zeigt die Studie, dass das Fressverhalten von Kühen innerhalb einer Laktationsgruppe verglichen werden sollte, nicht mit der gesamten Herde.

Weitere Infos!

Quelle: Journal Club, "Association between Prepartum Feeding Behavior and Periparturient Health Disorders in Dairy Cows"

Bearbeitet: Ostermann-Palz

Schlagworte

Geburt, Fressverhalten, Kühe, Auftreten, Erkrankungen, Metritis, Zusammenhänge, Erstgebärende, Jersey, Fressen

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