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Deutscher Milchproduzent rät Putin zu Sanktionen

Stefan_Duerr
Stefan Dürr - größter Milcherzeuger Russland's

Als Eigentor wird Russlands Einfuhrstopp von Agrargütern aus der EU im Westen gerne dargestellt. Dabei ist es ausgerechnet ein deutscher Unternehmer, der nach eigenen Angaben Putin zu den Maßnahmen riet - nicht ganz uneigennützig.

Der deutsche Unternehmer Stefan Dürr, ist mit knapp 25.000 Milchkühen größter Milchproduzent Russlands, hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kürzlich in einem persönlichen Gespräch zu Sanktionen gegen den Westen geraten. Die Gegenmaßnahmen würden "dem Westen vor Augen führen, wie stark man in vielen Bereichen voneinander abhängig ist", sagte Dürr im Interview mit "Zeit Online".

Laut Dürr schlägt Putin zwei Fliegen mit einer Klappe. Er antwortet auf die Sanktionen des Westens und er gibt der russischen Landwirtschaft die Chance, sich in einer geschützten Übergangszeit zu entwickeln. Ein Einfuhrverbot etwa für westliche Pkw hätte der heimischen Wirtschaft wenig gebracht, weil nicht absehbar ist, dass in Russland eine wettbewerbsfähige Automobilwirtschaft augefbaut werde. Bei der Landwirtschaft sei das anders.

Gute Kontakte bis in den Kreml

Der studierte Bodenkundler und Geoökologe Dürr stammt aus dem Odenwald. 1989 ging er als erster westdeutscher Praktikant in eine sowjetische Kolchose. Zunächst handelte er mit Landmaschinen und Saatgut, später investierte in russischen Boden. Mittlerweile verfügt Dürrs Ekoniva-Gruppe über mehrere Großbetriebe in mehreren Regionen Russlands. Die Unternehmensgruppe erzeugt mit knapp 25.000 Milchkühen jährlich rund 120 Millionen Liter Milch. Die Milchproduktion soll in den kommenden Jahren weite, bis auf 30.000 Kühe ausgebaut werden. Derzeit sind mehrere Milchviehanlagen für je 1.800 Kühe im Bau, alle nach dem Muster großer US-Milchfarmen. Neben den über 200.000 Hektar Land in Russland setzt Dürr auch weiterhin auf den Handel mit Landmaschinen. Die Unternehmensgruppe ist u.a. größter John Deere-Händler in Russland.

neue Milchviehanlage
Eine der neuen Milchviehanalgen für 1.800 Kühe, die derzeit im Bau sind.

Der deutschen Unternehmer, dem am Anfang des Jahres für seine Verdienste für die russische Landwirtschaft die russische Staatsbürgerschaft verliehen wurde, profitiert bei der Expansion seines Unternehmens auch von seinen sehr guten Kontakten in die russische Politik, bis in den Kreml in Moskau. Ohne eine enge "Zusammenarbeit" mit den politischen Entscheidungsträgern auf regionaler und überregionaler Ebene, wäre der Aufbau eines solches Unternehmes gar nicht möglich. So werden Dürr auch in der Regel auch als erstem abgewirtschaftete Kolchosen von den Provinz-Gouverneuren zur Sanierung bzw. zum Kauf angeboten.

In Russland fehlt Milch - Importstopp hält Dürr den Rücken frei

In Russland fehlt Milch. Die Preise im Supermarkt steigen in die Höhe. Stefan Dürr wird es freuen, dürfte sein Unternehmen von dem Importstopp doch deutlich profitieren. Auch bislang schon war die Milchwirtschaft in Russland ein zukunftsträchtiges Geschäft mit guter Rendite. Jetzt, wo quasi nur noch russische oder in Russland produzierte Ware in den Kühlregalen gelistet wird, werden die wenigen in Russland tätigen Molkereikonzerne wohl notgedrungen.

Den einjährigen Importstopp für Milchprodukte dürfte Dürr denn auch dazu nutzen, noch offensiver als bisher in die russische Landwirtschaft, insbesondere die Milchproduktion, zu investieren. Oftmals gleichen die staatlichen Zuschüsse die Zinsen der Kredite dafür fast wieder aus. Mehrere hundert Mio. Euro Kapital hat sich Dürr in den letzten Jahren aber auch schon desöfteren an deutschen Börsen eingesammelt (Anleiheemission).

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