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FrieslandCampina bremst Milchanlieferung mit 2 Cent-Zuschuss

FrieslandCampina
Weniger ist bei FrieslandCampina aktuell mehr wert. Foto: FrieslandCampina

FrieslandCampina belohnt ab dem 1. Januar bis zum 16. Februar 2016 Lieferanten, die ihre Anlieferungsmenge im Vergleich zum Referenzeitraum vom 13. bis 27. Dezember 2015 nicht weiter steigern bzw. reduzieren, mit einem Zuschlag von 2 Cent/kg Milch. Grund dafür ist eine Überlastung der Verarbeitungskapazitäten für konventionelle Milch.

Die temporäre Maßnahme, stagnierende oder gar rückläufige Anlieferungsmengen der Milcherzeugerbetriebe mit 2 Cent/kg Milch zu bezuschussen ist laut FrieslandCampina erforderlich, da die Milchanlieferung der Mitgliedsbetriebe in den kommenden Wochen stärker ansteigen wird, als bisher vorhergesagt. In Folge dessen werden die vorhandenen Verarbeitungskapazitäten der Molkerei bis etwa Mitte Februar 2016 überlastet bzw. unzureichend sein, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens vom 28.12.2015. Das Unternehmen appeliert daher an seine Mitglieder, ihr betriebliches Management dementsprechend anzupassen und sich an der zeitlich befrissteten Maßnahme zu beteiligen.

Betrifft nur die konventionelle Anlieferung

  • Wer? Der Zuschuss gilt nur für die Milchanlieferung konventioneller Betriebe. Die Kapazitäten für die Verarbeitung von Biomilch sind nicht überlastet.
  • Wann? Die vorrübergehende Maßnahme gilt für den Zeitraum von Freitag 1. Januar 2016 bis einschließlich Donnerstag den 11. Februar 2016.
  • Wie? Als Referenzzeitraum für die Höhe der berücksichtigten Anlieferung der Mitgliedsbetriebe wird der Zeitraum zwischen dem 13. und 27. Dezember 2015 angenommen. Die Menge die gleich hoch oder niedriger als die Anlieferung in dem genannten Zeitraum ist, wird mit 2 Cent/kg Milch (ohne MwSt.) bezuschusst. Der Zuschuss soll mit den laufenden Abrechnungen erfolgen.

Die Verarbeitungsmenge war in 2015 enorm und zwar um 6,4 % (600 Mio. Kilogramm) gestiegen. FrieslandCampina hat bereits im Vorlauf darauf mit Wachstum in der Verarbeitung reagiert. Doch ab November 2015 habe sich die Steigerung der Milchanlieferung dann in einem nicht erwarteten Ausmaß beschleunigt. Die Verarbeitungskapazitäten des Unternehmens sind daher bereits seit einigen Wochen voll ausgelastet und es wird Milch direkt an andere Käufer veräußert sowie in den Kapazitäten anderer Molkereien weiterverarbeitet.

Zuspruch aus der Branche

Das kurzfristige Handeln von FrieslandCampina findet lauten Zuspruch aus der Milchbranche. Bleibt nun abzuwarten, wie gezielt die Lieferanten ihre Produktion regulieren können und in welchem Ausmaß sie vielleicht auch reduzieren werden. Der Garantiepreis für Januar wurde von FrieslandCampina um 0,75 Cent auf 29,25 Cent/kg Milch gesenkt mehr Infos.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßte das temporäre Zuschlags-Programm: Milchbauernpräsident und Vizepräsident des DBV Udo Folgart erklärte: „Die Vorgehensweise der größten europäischen Genossenschaftsmolkerei bestätigt jedoch auch, dass im Milchsektor Handlungsbedarf bei der Ausgestaltung der Lieferbeziehungen besteht." Damit stach Folgart in den einen wunden Punkt. Denn Molkereien könnten derzeit trotz regelmäßiger Mengenabfragen nicht verlässlich abschätzen, wie viel Milch bei ihnen tatsächlich künftig angeliefert werde. Auf der anderen Seite hätten landwirtschaftliche Unternehmer keine Sicherheit im Hinblick auf den Erzeugerpreis. Die Verantwortung dafür müsse laut Folgart von den Molkereien und ihren Milcherzeugern gemeinsam wahrgenommen werden und sich vom Markt her definieren. Dabei gehe es um eine modernere Ausgestaltung der Andienungspflicht und der Vereinbarungen von Mengen, Preisen, Qualitäten und Dauer. Folgart kündigte an, dass der DBV die Diskussion zur Findung einer Lösung in die genannte Richtung begleiten werde.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ließen ihre Zustimmung für diesen (bisher noch) Versuch der Mengenregulierung ebenfalls verlauten. Der Vorstoß von FrieslandCampina zeige laut dem BDM vor allem, dass es technisch machbar und kurzfristig umsetzbar ist, die Anlieferung von Milchmengen zu begrenzen oder zurückzufahren. Damit fühlt sich der Verband erstmals in seinem seit langem propagierten Konzept zur Regulierung am Markt, dass eben unter anderem auch den Bonusgedanken fast, bestätigt. Immer habe es laut dem Vorsitzenden Romuald Schaber geheißen "das Konzept sei nicht umsetzbar, weil die erforderlichen Daten nicht vorhanden seien, weil ein zu hoher Verwaltungsaufwand entstünde, das Ganze nicht finanzierbar und ohnehin wirkungslos sei". Schaber forderte an den Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt gewandt, dass die Politik die Verantwortung übernehmen muss, da Maßnahmen einzelner Marktakteure im Gesamtmarkt verpuffen würden. Die AbL ruft dagegen neben der Politik auch gezielt die deutschen Molkereien und dabei insbesondere das Deutsche Milchkontor (DMK) auf, sich an FrieslandCampina zu orientieren und ähnliche mengenbegrenzende Beschlüsse zu fassen.

Schlagworte

FrieslandCampina, Januar, 2015, 2016, Milchanlieferung, Dezember, Februar, Maßnahme, Verarbeitungskapazitäten, konventionelle

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