
Hohe Zellgehalte und/oder Flocken in der Milch ist bei Milchkühen der häufigste Grund für Antibiotikaverschreibungen. Antibiotikaresistenzen sind weltweit ein wachsendes Gesundheitsproblem, und sie werden mit dem zu großzügigen Gebrauch dieser Arzneimittel in Verbindung gebracht. Viele Experten warnen jetzt vor überflüssigen Antibiotikaverschreibungen.
Wie lässt sich der Einsatz von Antibiotika in der Milchviehhaltung reduzieren? Diese Frage dominierte auf dem Mastitiskongress in Tampa (51. NMC Meeting) eindeutig die Diskussionen rund um die Eutergesundheit. Nicht zuletzt aufgeschreckt durch die Berichterstattung in der Presse über zunehmende Resistenzen und „kontaminierte“ Lebensmittel. Zwar fehlen sowohl in der EU als auch in den USA bislang genaue Zahlen zum Antibiotikaverbrauch in den Milchviehherden, laut aktuellen Schätzungen gehen werden jedoch 80 % aller Antibiotika im Rahmen von Eutergesundheitsstörungen eigesetzt:
Um herauszufinden, ob und wenn ja welche Erreger sich in der Milchdrüse festgesetzt haben, ist eine bakteriologische Untersuchung der Milch erforderlich. Diese kann mit speziellen Schnelltests (On Farm Test) entweder in Eigenregie oder aber im Labor erfolgen (sofern die Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden auf dem Betrieb vorliegen). In Milchviehbetrieben, in denen der Erregernachweis routinemäßig erfolgt, konnten nach Aussage mehrerer Tierärzte die Antibiotikagaben um bis zu 70 % reduziert werden.
Zur Behandlung von Eutererkrankungen stehen mittlerweile einige Alternativen zur Verfügung:
In einigen Ländern arbeiten Behörden, Veterinäre und die Milchfarmer bereits intensiv mit dem Ziel zusammen, den Antibiotikaverbrauch zu senken. So haben beispielsweise die Niederlande sich verpflichtet, den Verbrauch an Antibiotika bis 2013 um 50 % zu senken (Bezugsjahr 2009). In Frankreich ist geplant, in den nächsten fünf Jahren den Antibiotikaeinsatz um 25 % zu reduzieren und ganz auf den Einsatz bestimmter Antibiotika zu verzichten. Ähnliche Programme, mit dem Ziel, die Erkrankungsraten zu senken, wurden inzwischen auch in Norwegen, Irland, Großbritannien; Neuseeland und Australien aufgelegt. Die Profiteure derartiger Maßnahmen sind letztlich die Milcherzeuger, denn geringere Zellzahlen (gesündere Euter) bedeuten mehr Milch und somit Geld in der Kasse!
| Zellen / ml | unter 100.000 | 100.001 bis 200.000 | 200.001 bis 300.000 | 300.001 bis 400.000 | über 400.000 |
|---|---|---|---|---|---|
| Milchverlust pro Kuh u. Jahr | 176 l | 351 l | 485 l | 544 l | 601 l |
| Kühe gemerzt wg. Mastitis | 2,8 % | 4,5 % | 8,7 % | 10,6 % | 13,2 % |
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