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Jede Kuh lahmt irgendwann – die Frage ist nur wann?

Jede zweite Kuh lahmt, deshalb ist die Klauenpflege das A und O für gesunde und leistungsfähige Tiere. Denn nur so ist eine hohe Milchleistung erreichbar und die Milchproduktion rentabel. Auf der Klauenfachtagung in Echem wurde ausführlich über Klauengesundheit und Klauenpflege berichtet.

„Knapp  65 % der Kühe gehen aufgrund von Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen ab“, so Dr. Hans-Peter Klindworth vom Rindergesundheitsdienst Niedersachsen. Tatsächlich liegt die Zahl der Abgänge durch Klauenerkrankungen  aber deutlich höher, denn indirekte Abgänge durch Klauenprobleme sind hier nicht mit einbezogen. Diese Abgänge gehen dann beispielsweise unter Unfruchtbarkeit als Abgangsursache ein.

Nach Klindworth muss zukünftig mehr Augenmerk auf die verminderte Verhornung der Klauen gesetzt werden. Entzündungen, Milchfieber und Stoffwechselerkrankungen fördern Durchblutungsstörungen, sodass die Klaue nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Dies hat eine verminderte Verhornung zur Folge. Schlechtes Horn dient dann Bakterien als Eintrittspforte in die Klaue. So können Entzündungen entstehen und in dessen Folge auch weitere Erkrankungen. Großer Forschungsbedarf besteht weiterhin hinsichtlich geeigneter Therapiemaßnahmen und den Ursachen für Klauenprobleme. Zum Beispiel ist nur wenig bekannt, woher Mortellaro kommt und was die Auslöser für ein plötzliches Auftreten sind.

Feuchte Laufflächen vermeiden

Die tägliche Reinigung der Lauf- und Liegeflächen ist laut Klauenexpertin Dr. Andrea Fiedler besonders wichtig. Trockene Laufflächen verhindern, dass das Horn der Klaue aufquillt und so Bakterien eindringen können. Fiedler empfiehlt, Entmistungsschieber häufiger einzusetzen (auch auf Spaltenböden!) und die Technik auch regelmäßig zu warten. Zu einer gezielten Reinigung und Desinfektion im Stall rät Fiedler nur bei Infektionskrankheiten wie Mortellaro und Phlegnomen.

Ohne Formalin geht es nicht

Zu Kontroversen führte das Thema Klauenbäder. Während einige Experten den Einsatz von Formalin mit dem EU-Recht in Einklang sehen (bei der Verwendung als Biozid), warnen andere wiederum vor der Verwendung von Formalin, da es als Therapeutikum nicht zugelassen ist. Die derzeitige Rechtsgrundlage ist nicht eindeutig und muss dringend überarbeitet werden.

Zur Aufrechterhaltung der Klauengesundheit dienen Klauenbäder in regelmäßigen Abständen. Bei schweren Klauenproblemen bringen Bäder keinen Nutzen mehr. Hier muss sofort gehandelt und eine Einzeltiertherapie durchgeführt werden.

Ballen aus dem nassen Bereich ‚schneiden’!

Mehr als 80 % der Klauenerkrankungen treten an den Hintergliedmaßen auf, wobei hier die meisten Erkrankungen an den Außenklauen vorkommen. Ausgelöst wird die Mehrzahl der Erkrankungen an der Klaue durch das Absinken des Klauenbeins. Zum Laktationsbeginn wird aufgrund der negativen Energiebilanz das Körperfett der Kuh eingeschmolzen. Auch das Fettpolster in der Klaue nimmt ab, sodass das Klauenbein direkt auf die Lederhaut drückt, eine chronische Rehe entsteht. Während auf der Weide der weiche Untergrund das Gewicht der Kuh abfedert, liegt im Stall die meiste Last immer auf den Außenklauen. Dadurch wird dort vermehrt Horn gebildet und die Kuh steht nur noch auf der Außenklaue. Das Gewicht der Kuh ist nicht mehr gleichmäßig auf der Klaue verteilt und Klauenprobleme sind vorprogrammiert. Niko Mammen vom LBZ Echem ist sich sicher: „Jede Kuh bekommt auf Beton ein Sohlengeschwür, die Frage ist nur wann.“ Hier spielt die Genetik eine entscheidende Rolle.

Mammen betonte, dass es bei der funktionellen Klauenpflege darauf ankommt, den Ballenbereich durch das Schneiden der Klauen aus dem nassen Bereich zu bringen. So kann gegen Fäulnis entgegengewirkt werden. Die Klauenpflege sieht Mammen als „Investition in gesunde leistungsfähige Tiere“. Daher muss bei lahmen Tieren sofort gehandelt und nicht der nächste Besuch des Klauenpflegers abgewartet werden. Mammen empfiehlt beim Klauenpflegereinsatz auch die Dokumentation jedes einzelnen Tieres, da die Daten dann auch vom jeweiligen Tierarzt und Berater weiter genutzt werden können.