Kraftfutterzuteilung
Richtig Füttern am AMS
11.11.2011
Rund 40 % aller neu verkauften Melkanlagen sind automatische Melksysteme (AMS). Für die Fütterung bedeutet das immer ein zweigeteiltes System, also die getrennte Vorlage von Grob- und Kraftfutter. Denn nur durch das Angebot von Kraftfutter wird die Kuh in die Melkbox gelockt. Dr. Martin Pries von der Landwirtschaftskammer NRW mit Tipps zur Auswahl und optimalen Dosierung des Kraftfutters am Roboter.
Für die optimale Auslastung eines Melkroboters gelten folgende Zielgrößen:
- > 2,5 Melkungen pro Kuh und Tag
- > 1.900 kg Milch je Box und Tag
- > 700.000 kg Milch je Box und Jahr
Eine Studie der Landwirtschaftskammer NRW an 82 Melkroboter-Betrieben ergab, dass durchschnittlich 58 Kühe (inkl. Trockensteher) je Melkbox gemolken werden. Durchschnittlich werden jedoch nur 1.459 kg Milch pro Box und Tag produziert. Bei der Auslastung der Melkbox besteht also noch großes Potenzial! Betriebe, die die angestrebte hohe Melkleistung von > 1.900 kg erreichen, hatten deutlich mehr Kühe an einer Melkbox (73,3) und eine höhere Milchleistung (9.983 kg/Kuh und Jahr).
Wie hoch die TMR am Trog aufwerten?
Die Melkfrequenz ist immer abhängig von der Kraftfuttermenge, die am AMS angeboten wird. Diese ist wiederum abhängig von der Milchmenge und der Energiedichte der Mischration am Trog. Wird die Mischration nur wenig aufgewertet, d.h. nur rund 2 kg Kraftfutter im Mischwagen verfüttert, bedeutet das hohe Kraftfutteranrechte am AMS. Das hat zur Folge, dass die Kühe eine hohe Melkfrequenz haben. Die Tiere werden über weite Bereiche individuell mit Kraftfutter versorgt, Altmelker genießen nur wenig Luxuskonsum. Damit besteht zwar wenig Gefahr der Verfettung von Altmelkern, doch die hohen Kraftfuttermengen bei den Frischmelkern bergen eine Acidosegefahr.
Umgekehrt, wird also viel Kraftfutter im Mischwagen gefüttert (5-7 kg) und die TMR deutlich aufgewertet, haben die Kühe nur geringe Anrechte am AMS. Darunter kann die Melkfrequenz leiden (kein Anreiz, die Melkbox zu besuchen)! Der hohe Luxuskonsum führt zu einem Verfetten der Kühe im letzten Laktationsdrittel und damit der Gefahr von Ketose nach der Kalbung.
In einem Versuch der LWK NRW am Haus Riswick wurde daher versucht, die optimale Kraftfutterkonzentration in der Mischration am Trog zu ermitteln. Die besten Ergebnisse wurden bei einer Differenz von 6 kg zwischen Milchleistung und Milchmenge aus der Trogration erzielt. Liegt also die durchschnittliche Milchleistung der Kuhherde bei 30 Litern, sollte die TMR im Mischwagen auf 24 Liter ausgelegt werden (ausführlicher Versuchsbericht:
hier ).
Fütterungsgruppen, also unterschiedlich aufgewertet Rationen für Frischmelker und Altmelker, machen vor allem bei Herden mit hoher Milchleistung Sinn. Auch eine zusätzliche Kraftfutterstation wäre für hochleistende Herden mit vielen Kühe pro AMS eine Überlegung wert.
Maximal 2 kg pelletiertes Kraftfutter pro Besuch
Pro Besuch sollten am Roboter mindestens 0,5 kg und maximal 2 kg Kraftfutter ausgegeben werden (max. 8-10 kg pro Kuh und Tag). Eine Auswurfgeschwindigkeit von 450 g je Minute hat sich bewährt.
Bei der Kraftfutterwahl sollte auf schmackhaftes Futter geachtet werden, Geschmacksstoffe erweisen sich bisher ohne Vorteile. Eine konstante Zusammensetzung ist ebenso wichtig wie der Einsatz von pansenschonenden Komponenten wie Körnermais, Sojaschalen oder Melasseschnitzeln. Pelletiertes Kraftfutter sollte der Mehlform vorgezogen werden, da es weniger Staub, eine höhere Fressgeschwindigkeit und weniger Verklebungen bewirkt. Vorteilhaft sind zwei Futtersorten, beispielsweise ein Standardfutter für alle Tiere sowie ein Spezialfutter oder Proteinergänzer für Frischmelker.
Quelle: Dr. Martin Pries, LWK NRW
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