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Milchmengenbegrenzung: Schluss mit dem Schwarzen Peter Spiel!

Milchkammer
Foto: Stöcker

Endlich! Endlich kümmert sich mal jemand um den EU-Milchmarkt, der gerade mal vor 12 Monaten seinen Fesseln entledigt, sich ebenso respektlos gebärdet wie so manch ein pubertierender Teenager. Yes, we can … so denken die deutschen Länder-Agrarminister, die sich mit ihrer Ankündigung, die Milchmengen reduzieren zu wollen, als aktive Krisenmanagement präsentieren. Nur entpuppt sich das im April beschlossene Milchmengenbegrenzungsprogramm bei genauerem Hinschauen als Flopp. Die Ankündigung, den Milchmarkt an die Kandare zu nehmen ist nichts als purer Populismus!

Warum? Die Agrarministerkonferenz hat sich mit keiner Silbe zur konkreten Umsetzung, weder auf Bundesebene noch zur Einbindung in den EU-Milchmarkt geäußert. Kein Wunder, denn es gibt derzeit denn auch keine Verordnung oder Gesetz, das dazu ermächtigt, einem Milcherzeuger (für einen begrenzten Zeitraum) vorzuschreiben, wie viel Milch er produzieren darf (wie lässt sich in diesem Zusammenhang die Abnahmeverpflichtung der Genossenschaftsmolkereien aushebeln?). Dazu wäre die Einführung einer neuen EU-weiten Milchquotenregelung erforderlich. Ein solcher Beschluss scheint derzeit in Brüssel nicht mehrheitsfähig! Die EU-Kommission wird sicherlich nicht ihre marktpolitischen Zielvorgaben (u.a. Ausstieg aus der Milchquote) konterkarieren!

Irland und die Niederlande einbremsen – geht das?

Hinzu kommt, dass der Einfluss deutscher Provinzpolitiker in Brüssel mehr als begrenzt ist. Die deutsche Position vertritt dort in erster Linie Bundesagrarminister Christian Schmidt. Der ließ aber schon durchblicken, dass er in Brüssel die kürzlich von seinen Amtskollegen der Länder (gegen seinen Willen) gefassten Beschlüsse nur widerwillig vortragen will.

Und wie bitteschön wollen die deutschen Länderagrarminister die expansiven Milcherzeuger in Irland und den Niederlanden zu einer Mengenreduzierung bekehren? In beiden Staaten wird gerade mit Volldampf gemolken. In Irland wird gerade der Ausbau der Milchproduktion vom Staat mit Milliarden subventioniert! Der 15%ige Anstieg der Milchmenge seit dem Quotenausstieg wird auf der grünen Insel als wirtschaftspolitischer Erfolg gefeiert!

Sicher, einer muss immer den Anfang machen, denn sonst wird sich nie etwas bewegen – warum also diesmal nicht die deutschen Milcherzeuger? Eine nationale Begrenzung der Milchproduktion im EU-Binnenmarkt dürfte sich vielleicht nicht als völlig wirkungslos erweisen, letztlich aber nicht zu einem deutlichen und dringend nötigen Anstieg der Milchpreise führen. In diesem Punkt unterscheidet sich die EU in keinster Weise von der OPEC. Auch beim Öl greift trotz drastisch gesunkener Rohstoffpreise der Solidaritätsgedanke nicht, obwohl durch den Preisverfall in den Öl exportierenden Staaten nicht nur eine vergleichbar „kleine“ Wirtschaftsbranche betroffen ist, sondern gerade ganze Volkswirtschaften in Schieflage geraten.

Wer soll's bezahlen?

Und dann ist ja noch die Frage der Finanzierung offen: Wie soll der freiwillige Produktionsverzicht „belohnt“ werden. Der deutsche Finanzminister wird sich hüten, hier einen Präzedenzfall zu schaffen. Also müssten die Molkereien ihre Säckel öffnen, denn theoretisch profitieren sie ja schließlich von einer Milchmengenreduzierung. Doch Hand aufs Herz, kennen Sie ein Molkereiunternehmen, das dazu bereit wäre? Ich auf jeden Fall nicht! Und wenn doch, dann ist es nur ein Umschichten von der linken in die rechte Tasche. Es ist davon auszugehen, dass die Boni dann in den kommenden Monaten dann wieder scheibchenweise vom Milchgeld abgezogen werden. Die Molkereien haben in der Vergangenheit sich schon immer ihre Margen gesichert, sie werden sich auch diesmal schadlos halten! Bleibt also nur noch die entschädigungslose Enteignung! Tolles Konzept!

Investitionen in die Wertschöpfung

Klar, unbestritten ist, dass die Milchmenge runter muss! Das würde die Märkte entlasten. Doch wie so oft ist sich jeder Marktteilnehmer selbst der nächste – deshalb wird es letztlich wohl der Markt richten müssen (leider über den Strukturwandel). Es sei denn, es gelingt den Milchmarkt zumindest teilweise vom „Massenmarkt“ abzukoppeln.

Dazu braucht es aber nicht noch mehr populistische, (in der EU) nicht mehrheitsfähige Konzepte, sondern eine Entgiftung der Milchbranche (sowohl in Deutschland als auch in der gesamten EU)! Dem von BDM, AbL und Grünen angeführten Bündnis als auch der Gegenseite (DBV und Molkereien) sei gesagt, dass es keineswegs ein Zeichen von Kreativität ist, auf die durch die Globalisierung hervorgerufene Krise nach altem Muster zu reagieren: Ruf nach staatlichem Finanzausgleich und Mengenbegrenzung bzw. dem Subventionieren von Exporten.

Schluss jetzt mit dem „Schwarzen Peter“ Spiel! Bei Milchauszahlungspreisen von weniger als 25 Cent sind jetzt alle Marktteilnehmer, Verbände, Bündnisse und auch die Politik gefordert, die gegenseitigen Vorbehalte hinten anzustellen und zu beginnen, sachorientiert an Konzepten für eine nachhaltigere Milcherzeugung in Europa mitzuarbeiten! Denn weder die einseitige Ausrichtung auf den Export (Modell Neuseeland) noch das Schrumpfen auf die europäische Verbrauchsmenge (Modell Kanada) verspricht Europas Milchbranche eine auskömmliche Zukunft.

Klasse statt Masse!

In Deutschland dominiert noch immer Masse statt Klasse! Spezialitäten und Markengengeschäft sind nur schwach entwickelt. Lediglich eine Handvoll Molkereien verfügt derzeit über starke Marken und Produkte. Die Mehrheit ist im Massengeschäft unterwegs. Sie spürt jetzt massiv den Preisdruck des steigenden Rohstoffangebotes. Deshalb müssen sich die Molkereien fragen, ob sie hier alle Potenziale ausgeschöpft haben. Zwar fließt einiges an Milch ins Ausland ab, doch wird überwiegend noch „rund um die Molkerei“ exportiert, abseits der internationalen Wachstumsmärkte. Die Ausfuhrmengen in lukrative Wachstumsmärkte sind leider immer noch homöopathisch. Hier können die Politiker helfen, in dem sie die Türen zu neuen Märkten öffnen.

Ebenso wichtig ist aber auch die Entwicklung und Produktion innovativer Milchprodukte, bei denen der Qualitätsaspekt dominiert. Insbesondere schnell wachsende Schwellenländer dürften Produkte "made in Germany" nachfragen. So lässt es sich vom Weltmarkt absetzen, was sich letztlich in angemessenen Milchpreisen niederschlagen dürfte. Der Staat täte gut daran, diese Entwicklung zu zu fördern, z.B. durch die gezielte Förderung von Fortbildung, Beratung und Forschung.

Aber auch die Milcherzeuger werden sich umstellen müssen! Ein weiter so wie bisher, immer nur mit Volldampf voraus, ist der falsche Weg. Stärker in den Fokus gerückt werden muss die Verankerung der gesellschaftlichen Akzeptanz der Produktionsverfahren (Stichwort Weide, Verbot der Anbindehaltung, Steigerung der Nutzungsdauer, …).

Vor der Milchbranche liegt ein langer und schwieriger Weg … entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist der Wille aller Akteure am Milchmarkt zur Neugestaltung!

Gregor Veauthier

 

 

Über den Autor

Team Elite

In diesem Blog lässt das Team der Elite-Redaktion seinen Gedanken freien Lauf. Hier geht es um alles, was das Thema Milchproduktion so spannend macht. Wir hoffen, Sie haben Spaß an unseren Berichten, lassen sich von ihnen ein wenig inspirieren und schreiben uns auch mal, was Sie davon halten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

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