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Elite Herdenmanager 2016

Melken ist nie schadensfrei...

Im Melkstand geht es rund
Foto: Ostermann-Palz

...Gerade darum muss der Milchentzug möglichst schnell, aber auch schonend vonstatten gehen. Schonend aus Sicht der Kuh oder schonend für die Geräte? Drei Fachtierärzte gaben all ihr Wissen auf den Praxistagen "Eutergesundheit" preis.

Im Januar trafen die 24 Teilnehmer des diesjährigen Elite-Herdenmanager-Kurses in Kleve erneut zusammen. Diesmal lag der Fokus der Referenten auf der Eutergesundheit. Auf dem Betrieb B.M.W. Agro ermöglichte uns der Betriebsleiter Stephan Theisen an zwei Tagen einen tiefen Einblick in das Tagesgeschäft des 1000-Kuh-Betriebs. In den Workshops vor Ort und in Vorträgen am Abend gaben Marion Tischer, Volker Krömker und Frajo Siepelmeyer all ihr Wissen preis und standen den Lehrgangsteilnehmern für Fragen zur Verfügung.

Die Melkroutine überprüfen

Die Teilnehmer beobachteten, welche Melkroutine im Betrieb erfolgt: wie die Euter gereinigt werden, wie viel Zeit vom Reinigen des Euters bis zum Ansetzen des Melkzeugs verstreicht, ob die Tiere ausgemolken sind und welche (Verhaltens-)Auffälligkeiten beobachtet werden konnten.

Eine gute Melkroutine aus Sicht der Kuh bedeutet:

  • Schnell! Was heißt, dass zehn kg Milch innerhalb der ersten fünf Minuten ausgemolken werden und je weiteren fünf kg Milch jeweils eine Minute verstreichen sollte.
  • Vollständig! Eine Minute nach dem Melken dürfen noch vier satte Strahlen im Euter vorhanden sein, dann ist es gut ausgemolken. Sind mehr als vier Strahlen vorhanden, ist es nicht gut ausgemolken.
  • Schonend! Die Zitze soll möglichst so aussehen wie vorher. Hyperkeratose an der Zitzenspitze ist ein deutlicher Warnhinweis!
In Milchvieh-Beständen setzen sich oft bestimmte Erreger durch und können zum Problem für die ganze Herde werden. Wenn der Infektionsdruck, gerade mit Aureus-Erregern, innerhalb der Herde steigt, darf man hier auf keinen Fall sparen (absteigende Wichtigkeit):

  1. Dippmittel
  2. Zwischendesinfektion
  3. ein Lappen pro Kuh
  4. Handschuhe
 Dinge, die man grundsätzlich beim Melken beachten sollte:

  • Es dürfen weniger als fünf Prozent der Herde während des Melkens koten - sonst ist der Stressfaktor für die Tiere aus irgendeinem Grund zu hoch. Der Landwirt sollte in diesem Fall nach der Stressursache suchen!
  • Nicht mit dem Wasserschlauch spritzen, wenn Kühe frisch vom Melkzeug gelöst sind. Keime aus Kot, Harn und von anderen Kühen können dann ungehindert in den noch offenen Strichkanal eindringen und emporwandern. Hyperkeratotische Zitzen brauchen länger, um sich vollständig zu schließen.
  • Die richtige Reihenfolge: Dip (Vordippen), Strip (Vormelken), Dry (Nachtrocknen), Apply (Ansetzen)
  • Je mehr Kühe pro Melkzeit, desto höher ist der Infektionsdruck!
  • Ein durchlaufendes Karussell ist wichtiger als ein zu Schnelles. Faustzahl: 60 Kühe pro Melker je Stunde sind realistisch.
  • Die Vakuumhöhe ist entscheidend, um eine maximale Melkgeschwindigkeit zu erreichen. Die optimale Vakuumhöhe liegt bei 40 bis 41,5 Kilopascal. 
  • Das Zitzengummi des Melkzeugs ist herdenindividuell zu wählen und muss regelmäßig angepasst werden. Alarmsignal dafür sind unter anderem Hyperkeratosen an den Zitzenspitzen.
Achtung bei Roboter-Betrieben!
  1. Nur ein Melkzeug für 70 Kühe geht mit einem hohen Keimdruck einher. Das Melkzeug an Robotern wird generell mit Wasser zwischengespült, damit werden 90% der Keime beseitigt. Bei einer integrierten Desinfektion beim Zwischenspülen werden 98% der Keime beseitigt.
  2. Wenn Kühe im Euterbereich dreckig sind, kann dies durch den Roboter verschmiert werden, sodass die Keime zusätzlich verteilt werden. Auf gute Einstreu achten!
  3. Roboter sprühen die „Dippmittel“ auf, dadurch sind die Mittel mit einem geringeren Anteil an Hautpflegemitteln versehen. Im Winter kann es so verstärkt zu KNS-Problemen kommen.
Die Stallapotheke im Auge behalten

  • Wer mit Medikamenten arbeitet, egal ob Landwirt oder Tierarzt, sollte auf die Wirkstoffe achten, nicht nur auf das Produkt oder den Produktnamen selbst!
  • Halten Sie die Lagerungshinweise wie z.B. die Lagertemperatur ein, da sonst die Wirksamkeit eines Medikaments nachlassen kann. Angebrochene Flaschen sollten ordnungsgemäß verschlossen und im Kühlschrank gelagert werden - diese sind ab Anbruch nur noch über einen bestimmten Zeitraum lager- und haltbar (siehe Beipackzettel).
Marietta Liere

Viel Spaß mit der

Über den Autor

Team Elite

In diesem Blog lässt das Team der Elite-Redaktion seinen Gedanken freien Lauf. Hier geht es um alles, was das Thema Milchproduktion so spannend macht. Wir hoffen, Sie haben Spaß an unseren Berichten, lassen sich von ihnen ein wenig inspirieren und schreiben uns auch mal, was Sie davon halten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Schlagworte

Antibiotika, Euter, Volker, Krömker, Lehrgangs, Melkroutine, ausgemolken, 2016, Agro, Elite

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