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Herdenmanager: Praxistage Fütterung & Stoffwechsel

Fehlerquelle Mensch

Herdenmanager

Durch eine optimierte und herdenangepasste Fütterung lassen sich deutliche Leistungssteigerungen erzielen - theoretisch. Wäre da nicht der Mensch, der jeden Tag gleich aufmerksam sein muss... Da hilft nur eins: Controlling!

Teilnehmer aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, vom Quereinsteiger bis zum Anlagenleiter von 1.600 Milchkühen, fanden sich in Niedersachsen zum ersten Modul des 4. Elite-Herdenmanager-Lehrgangs ein. Vom 01. bis 03. Dezember wurde den 24 Kuhbegeisterten ein vielfältiges Ausbildungs-Programm zu dem ersten Thema: „Fütterung und Stoffwechsel“ geboten.

Die Praxisworkshops verbrachten wir auf dem Betrieb von Martin Lübber, der uns einen großzügigen Einblick in das Geschehen auf dem Betrieb mit 400 melkenden Kühen und in dem ausgelagerten Kälberaufzuchts- und Abkalbebereich ermöglichte. Martin Lübber besuchte vor zwei Jahren selbst den Elite-Herdenmanager-Kurs und öffnete schon im letzten Jahr seine Tore für uns.

Um seine Herdenleistung weiterhin zu steigern, wollte er nun aufs Neue von Teilnehmern und Experten Erfahrungen einholen. In verschiedenen Workshops nahmen wir den Betrieb gründlich unter die Lupe.

Gefahrenquelle Maissilage, Workshop 1

Silomanagement: Wir nahmen Temperaturmessungen an unterschiedlichen Stellen und verschiedenen Tiefen des Mais-Silos. Es zeigten sich deutliche Temperatur-Schwankungen, vor allem in den Bereichen, die nicht ausreichend verdichtet wurden. Je lockerer das Silo, desto schneller ist die Nacherwärmung. Mittelgut verdichtete Silos oder Silopartien sind sehr empfindlich was die Nacherwärmung angeht: Schimmelstellen bedeuten Luft im Silo. Jan Hendriks Empfehlungen: Zu Anfang kann man dickere Schichten Maissilage abladen, aber zum Schluss sollten die Schichten dünner werden, nur etwa 10 bis 15 cm.
Die Kerntemperatur sollte um diese Jahreszeit um 20 bis 21°C liegen, wobei die Außenwände kälter sein sollten als der mittlere Bereich (12°C).

Dem Lohnunternehmer auf den Fersen

Zur Kontrolle der aufgecrackten Körner empfiehlt sich ein Test im Wasserbad. Die besten Ergebnisse erzielt man mit frischem Häckselgut; silierter Mais kann aber genauso getestet werden. Man nimmt eine Hand voll gehäckseltem Material und gibt dieses in einen mit Wasser gefüllten Behälter. Kräftig umrühren! Oben werden sich die Pflanzenreste absetzen und die Maiskörner liegen am Boden des Behälters. Das oben abgelagerte Material lässt sich einfach mit einer Schöpfkelle abnehmen. Anschließend das Wasser-Korn-Gemisch über die Kelle gießen, so kann man sauber das Kornmaterial auf den Verarbeitungsgrad in Augenschein nehmen. Tipp: Noch während der Lohnunternehmer häckselt, diesen Test anwenden. So kann man schnell reagieren, falls das Ergebnis nicht optimal ausfällt. Ziel: Alle Körner sollten umfassend aufgebrochen sein!

Dreck ist Dreck

Stark verschmutze Partien in der Grassilage, die beispielsweise durch wühlende Wildschweine entstanden sind, sind konsequent auszusortieren. Im besten Fall sollten sie gar nicht erst ins Silo gelangen, sondern vorher entsorgt werden. So kann man von vornherein vermeiden, dass sich Schimmelnester bilden und so die Qualität negativ beinträchtigen.

Richtig auf Ketose testen, Workshop 2

Hochleistende Kühe leiden häufig an Ketose, da sie lange brauchen, um die negative Energiebilanz zu Beginn der Laktation zu überwinden. Dieser Stoffwechsel-Zustand geht mit einem Anstieg der Konzentration an Ketonkörpern in Blut einher. Schnelltests können also an Blut oder Urin durchgeführt werden.

Tierärztin Dr. Marion Tischer testete mit der Gruppe zum einem mit Ketostix die Acetoacetat- Konzentration (Ketonkörper) im Urin. Je nach Konzentration verfärbt sich der Teststreifen, der mit dem Farbschema auf der Verpackung abzugleichen ist.

Für den Bluttest am Ohr drückte man eine Vene so zu, dass man deutlich den Blutstau erkennen konnte. Hier nahm man die Einmal-Mikrolanzetten mit einem Durchmesser von 2 mm zum Anstechen der Vene. Mit einem digitalen Ketose-Messegerät werden am Blutstropfen Beta-Hydroxybutyrat (Ketonkörper) nachgewiesen. Der Bluttest erwies sich als deutlich praxistauglicher, da die Werte viel genauer waren als an dem Farbvergleichs-Schema des Urin-Tests.

Die Herde scoren, Workshop 3

Um einen genaueren Überblick über die tatsächliche Verfassung einer Herde zu bekommen, bietet sich an, BCS, Lahmheit und Kotkonsistenz der Gruppe zu bewerten. Wie viele Tiere liegen; wie viele kauen beim Liegen wieder (Ziel: 80%)?

All diese Punkte spiegeln das Wohlbefinden der Tiere wieder.

Voraussetzung für ein gleichmäßiges Scoring ist ein einheitlicher Blick des Menschen auf die Tiere. Hilfreich sind Bewertungsbögen mit genauer Beschreibung (Bildmaterial). Das Ziel ist, eine möglichst homogene Gruppe zu erhalten, um die Ration optimal anpassen zu können. Je unterschiedlicher die Herde, desto größer die Abweichung der Ration für das Einzeltier.

Verschiedene Rationen für unterschiedlich konditionierte Tiere ist durchaus sinnvoll. Doch Tierarzt Dr. Joachim Lübbo Kleen gab ebenfalls zu bedenken, dass dabei die Fehlerquelle Mensch beispielsweise bei vier Rationen auch vier Mal etwas falsch machen kann. Ob ein Betrieb lieber eine weitere Futtergruppe einrichtet oder mehr Variabilität in Kauf nimmt, hängt daher von individuellen Faktoren wie Ausbildungsstand und Sorgfalt der Mitarbeiter oder der Futtermischwagengröße ab.

Marietta Liere


Einen Einblick in die Praxistage finden Sie in der

Über den Autor

Team Elite

In diesem Blog lässt das Team der Elite-Redaktion seinen Gedanken freien Lauf. Hier geht es um alles, was das Thema Milchproduktion so spannend macht. Wir hoffen, Sie haben Spaß an unseren Berichten, lassen sich von ihnen ein wenig inspirieren und schreiben uns auch mal, was Sie davon halten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Schlagworte

Herdenmanager, Mensch, Elite, Lübber, Stoffwechsel, Einblick, Praxistage, Fehlerquelle, Ration, Urin

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