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Milchfarmer, Tierarzt, Unternehmer, Visionär … und bald auch Agrarminister?

Mike McCloskey
Mike McCloskey

Als Kind von Migranten, aus ärmlichsten Verhältnissen stieg Mike McCloskey zum Top-Untenehmer in der Agrarbranche auf, der 500.000 Besucher jährlich durch seine Milchkuhställe schleust und Coca Cola dazu brachte, seine Milch zu vermarkten.

Columbus, Ohio, Ende November, 7:30 am Morgen. Das DCRC (Dairy Cattle Reproduction Council) hat zur jährlichen Konferenz geladen. Als erster Redner ist Mike McCloskey angekündigt. Mike … wer, kenne ich nicht. Noch nie etwas von ihm gehört! Ganz locker springt plötzlich ein rüstiger etwa 60jähriger auf das Podium im Ballsaal des Sheraton Hotels. Obwohl großgewachsen, hat er unverkennbar lateinamerikanische Wurzeln, kariertes Hemd, Jeans, … ein typischer Farmer aus den Südstaaten oder aus Mexiko schießt es mir durch den Kopf. Wie sich herausstellt, ist er auch wirklich ein Farmer … aber ein äußerst ungewöhnlicher. Mike McCloskey ist einer der Menschen, der die (Milch)Welt positiv verändern kann.

Faszinierend ist seine Vita: Geboren wurde Mike in Pittsburg, einem der ehemals wichtigsten Standorte der Stahlindustrie in den USA. Als er sechs Jahre alt wurde, verließ sein Vater die Familie … seine Mutter sah keinen anderen Ausweg, als mit den fünf Geschwistern nach Puerto Rico zurückzukehren. Mike jedoch durfte bei seinem Onkel bleiben, der eine kleine Farm mit allerlei Nutztieren besaß. Die „Arbeit“ mit den Tieren hat den jungen Mike derart fasziniert, dass er beschloss Tierarzt zu werden. Mit 17 wanderte er also nach Mexiko aus, um dort Tiermedizin zu studieren. 1976, unmittelbar nach seinem Examen eröffnete der junge Tierarzt sogleich eine Praxis, unterrichtete aber gleichzeitig auch noch an der Universität. Nach drei Jahren zog es ihn in die USA zurück, diesmal nach Kalifornien. Nach dem der Promotion an der Universität Davis stellte Mike erneut seine unternehmerischen Fähigkeiten unter Beweis. In kürzester zeit eröffnete er eine Bestandsbetreuungspraxis für Milchkühe und gründete gleich noch eine Servicegesellschaft (Herd Technologies, Inc.: Milchkontrolle, Labor, Dienstleistungen, …). Anscheinend immer noch nicht voll ausgelastet, erfüllte er sich seinen Jugendtraum, pachtete Land und investierte in 300 Kühen. 1989, inzwischen verheiratet mit Ehefrau Sue, zog es den Unternehmer nach New Mexiko. Dort übernahm das junge Paar eine Milchfarm mit 2.500 Kühen. Mittlerweile „melkt“ die Familie in mehreren „Dairies“ rund 15.000 Kühe. Ein Teil der Kühe steht in den Ställen der Fair Oaks Farms im US-Bundestaat Indiana, unweit von Chicago.

Mit klimatisierten Bussen durch den Kuhstall

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Die Fair Oaks Farms besticht nicht allein durch ihre Größe (mittlerweile werden dort 32.000 Kühe gemolken, 100 Kälber täglich geboren). Fair Oaks ist der Prototyp einer gläsernen Milchproduktion. Besucher können mit einem vollklimatisierten Bus zu einem der zehn Stallgebäude aufbrechen, von denen jedes mehr als 3.000 Kühe beherbergt oder sich in der Molkerei über die Herstellung von Milchprodukten informieren. Alles ist bis ins Detail durchgeplant, selbst die Abkalbeboxen sind so angelegt, dass nur eine Glasscheibe die Besucher von den hochträchtigen Kühen trennt. Selbstredend dürfen Interessierte auch beim Melken zuschauen. Fair Oaks Farms verfügt über zehn Melkkarusselle, die im 24-Stunden-Betrieb laufen. Pro Tag liefern die Kühe in Fair Oaks 1,25 Millionen Liter Milch ab.

Doch zurück zu Mike McCloskey: Er hat Fair Oaks 2004 mitgegründet, seinem Kopf ist das Konzept der Erlebniswelt „Bauernhof“ entsprungen. Die Faszination, welche die Nutztierhaltung auf ihn ausübt, möchte er gerne teilen. „Wir müssen den Verbrauchern Einblicke gewähren. Nur noch gerade zwei Prozent der Bevölkerung in den USA sind mit der Landwirtschaft betraut. Im digitalen Zeitalter dürfen wir es nicht den Medien und einigen NGO’s überlassen, darüber zu berichten, wie es im Stall abläuft. Die erzählen gerne falsche bzw. unwahre Geschichten. Wir müssen selbst darstellen, wie wir arbeiten und vor allem müssen wir lauter sprechen als die Kritiker “, erklärt Mike. Das Konzept des Agro-Tourismus scheint aufzugehen. Im letzten Jahr haben rund 500.000 Besucher die Fair Oaks Farms besucht, über die Jahre hinweg bereits mehrere Millionen Menschen (potenzielle Kunden)!

LKW’s fahren mit Biogas

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Alle LKW's der Fair Oaks Farms fahren zu 100% mit Biogas
 Für USA-weites Aufsehen sorgte Mike kürzlich aber auch noch mit einem weiteren Coup: Fairs Oaks wurde mit dem Siegel „100 % klimaneutral“ (CO2 neutral) ausgezeichnet! Das wird in dem Land, in dem Energiesparen für viele Industriezweige noch ein Fremdwort ist, denn auch mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. So wird z.B. die gesammelte Gülle der 32.000 Kühe wird in Biogasanlagen verarbeitet. Mit der so gewonnenen Energie wird nicht nur die Stromversorgung der riesigen Farm gesichert, es werden auch zusätzlich noch 750 Haushalte mit Elektrizität versorgt. Zudem fahren – äußerst werbewirksam – alle Fahrzeuge der Fair Oaks Farms (auch die Molkerei-LKW’s) mit der „grünen Energie“ (gewaschenem Biogas). „Wir sparen so jährlich zwei Millionen Gallons (umgerechnet 7,5 Mio. Liter) Diesel ein“, rechnet der Unternehmer vor!

FairLife  Designer Milch für Coca Cola

Fairlife
Doch noch nicht genug der Innovationen: 2012 ging Mike gemeinsam mit einigen Partnern auf Coca-Cola zu und überzeugte den Getränkehersteller, ein von ihm entwickeltes Milchprodukt in das Programm aufzunehmen. Seit 2014 wird in den USA Designer-Milch unter dem Label Fairlife vertrieben. Fairlife ist laktosefrei und enthält 50 Prozent mehr Eiweiß, 30 Prozent mehr Kalzium und 50 Prozent weniger Zucker als natürliche Milch. Die „Milch“  soll gesundheitsbewusste Amerikaner dazu animieren, wieder Milch zu trinken bzw. zu kaufen.

Das mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Unternehmen Fairlife zerlegt die Milch in ihre Bestandteile, mixt sie mittels einer speziellen Ultrafiltrierung anschließend wieder im gewünschten Verhältnis zusammen und verkauft sie zum doppelten Preis der gewöhnlichen Milch. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Fairlife mit seiner Milch bereits rund 90 Millionen US-Dollar Umsatz.

45 Minuten lang an Mike McCloskey’s Ideen Gedanken-Stream teilhaben zu dürfen, dass ist nicht nur sehr interessant sondern auch extrem motivierend! Fast vergessen sind die geringen Milchpreise, die ungewissen, trüben Aussichten, denn Mike’s Ausführungen lassen zwei Schlussfolgerungen zu:

  1. Moderne Milchproduktionsverfahren lassen sich den Verbrauchern „erklären“. Sofern ihnen alles zugänglich gemacht wird, keine Informationen zurückgehalten werden und nach den Best Practice-Strategien gearbeitet wird. Dann werden selbst größere Milchfarmen akzeptiert.
  2. Mit cleveren Milchprodukten (Designer Milch) lassen sich heute und wohl auch noch in Zukunft neue Absatzmärkte erschließen.

Schon bald auf die große Bühne?

Man darf gespannt sein, mit welcher Innovation Mike McCloskey als nächstes überraschen wird. Vielleicht betritt er ja demnächst eine wesentlich größere Bühne als die des Ballsaals im Sheraton Hotel. Aktuell wird er als neuer Agrarminister im Kabinett von Donald Trump gehandelt. Wir sind gespannt!

Gregor Veauthier

Über den Autor

Team Elite

In diesem Blog lässt das Team der Elite-Redaktion seinen Gedanken freien Lauf. Hier geht es um alles, was das Thema Milchproduktion so spannend macht. Wir hoffen, Sie haben Spaß an unseren Berichten, lassen sich von ihnen ein wenig inspirieren und schreiben uns auch mal, was Sie davon halten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Schlagworte

Mike, Oaks, McCloskey, Fair, Farm, Besucher, FairLife, Coca, Cola, Mexiko

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